Wer war Gottfried von Bouillon?

Gottfried (*etwa 1060/°1100), hochgewachsen und kräftig von Gestalt, fromm in der Gesinnung und aufrecht im zwischenmenschlichen Miteinander, erhielt 1076 von Kaiser Heinrich IV. (-> Bußgang nach Canossa) die Mark Antwerpen und um 1089 die Herzogswürde über Nieder-Lothringen.

Militärisch geschult und als ausgezeichneter Organisator gerühmt, schloss er sich 1095 dem Aufruf Papst Urbans II. zum Kampf gegen die Muslime an. Gemeinsam mit seinen Brüdern Eustach III. und Balduin von Boulogne, brach er im Spätsommer 1096 mit Tausenden wild entschlossener Gesinnungsgenossen gen Konstantinopel (-> Istanbul) auf.

 

Fast der König von Jerusalem

Nach anfänglichen Konflikten mit dem oströmischen Kaiser Alexios I., der den vor der Stadt auftauchenden Horden skeptisch gegenüberstand, erhielt Gottfried schließlich die Erlaubnis zur Durchquerung des byzantinischen Reiches. Da im weiteren Verlauf allerdings die Kreuzfahrerheere unter Führung von Bohemund von Tarent, Raimund von Toulouse und Tankred von Hauteville das Vorgehen bestimmten, spielte Gottfried im Grunde keine große Rolle mehr. Bis er, ja, bis er im Juli 1097 an der Befreiung von Bohemunds Mannen in der Schlacht von Dorylaeum beteiligt war und 1099 letztlich Raimund von Toulouse überzeugen konnte, Jerusalem einzunehmen.

Nachdem Raimund nach erfolgreicher Eroberung der Stadt aber partout nicht „König von Jerusalem“ werden wollte, wurde stattdessen Gottfried dazu auserkoren, ließ sich aber nicht krönen, sondern „herrschte“ als selbsternannter „Beschützer des Heiligen Grabes“ nicht ganz ein Jahr bis zu seinem Tod im Juli 1100.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: Deutsche Geschichte - Bd. 1 (Bertelsmann Lexikon Verlag);
"Geschichte" - Heft März 3/07

 

 

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