Was genau ist das eigentlich – der „Deutsche Orden“?

„Deutscher Orden“ wird eine Bruder-, oder auch Ritterschaft genannt, die anlässlich des 3. Kreuzzuges 1190 von Bremer und Lübecker Kaufleuten bei Akkon (-> Galiläa/Israel) gegründet wurde. Ursprünglich sozusagen als Feldlazarett für verwundete und erkrankte Kreuzritter, Wallfahrer und andere Durchreisende gedacht, wurde aus der Idee, ein Krankenhaus in Jerusalem mit dem klangvollen Titel: „Brüder vom Hospital (-> Deutschen Haus) St. Mariens in Jerusalem“ zu schaffen, schon bald eine feste Institution.  

 

Akzeptanz

Zu Beginn des Jahres 1191 von Papst Clemens III. (*??/°1191) kurz vor dessen Tod unter kirchenstaatlichen Schutz gestellt, wandelte sich der Orden ab 1198 von einer rein karitativen Organisation, zu einem vorzugsweise auch militärisch ausgerichteten Ritterorden (nach dem Vorbild der Johanniter und Templer) mit Sitz in Akkon. Im Jahre 1199 wurde der Orden von Papst Innozenz III. (*um 1160/°1216) endgültig bestätigt, avancierte zum drittgrößten Ritterorden der Zeit, und entwarf ein schwarzes Kreuz auf weißem Mantel als äußeres Zeichen der Mitgliedschaft.

 

Ausbau

Mit Beginn des 13. Jahrhunderts begann der „Deutsche Orden“ sein Tätigkeitsfeld zunehmend zu verlagern. In den Jahren bis 1300 entstanden Wirkungsstätten - zum Beispiel - auf Zypern, in Griechenland, Italien, Spanien und – schwerpunktmäßig – in Nordosteuropa (-> Baltikum, Polen, Preußen).

 

Aufstieg und Neuausrichtung

Seinen raschen Aufstieg und rasanten Erfolg, verdankte der Orden allerdings vornehmlich dem „Goodwill“ und den stattlichen Privilegien, die der Stauferkaiser Friedrich II. dem "vierten" Hochmeister des Ordens, Hermann von Salza (*etwa 1162/°1239), angedeihen ließ. Das freundschaftliche Miteinander honorierte der Orden mit der von Friedrich dringend benötigten Unterstützung seines Kreuzzuges 1128/1129. Nach einer Reihe weiterer Aktivitäten - unter anderem die Christianisierung der Preußen von 1232 bis 1249 im Namen und Auftrag Papst Gregors IX. - zog sich der „Deutsche Orden“ gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts aus dem „Heiligen Land“ zurück, und suchte seine Zukunft nun endgültig im Ostseeraum.

 

Hinterlassenschaft

Hier, unweit von Danzig (-> Gdansk/Polen), entstand, etwa zwischen 1270 und 1300, die (wahrscheinlich) größte je in Europa aus Backstein errichtete (Ordens-)Burg, die, bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, als Sitz der Hochmeister des "Deutschen Ordens" fungierte. Nach wechselvoller Geschichte und wechselnden "Eignern" (-> Schweden, Preußen, Polen, Preußen, Polen ...) über die Jahrhunderte hinweg, ist diese mächtige und beindruckende Wehranlage mit Konventhaus, trutzigen Türmen und einer Schlosskapelle, heute noch einen sich allemal lohnenden Besuch wert. 

 

Gegenwart

Den – auch  „Deutschritterorden“, „Deutschherrenorden“ oder „Kreuzritterorden“ genannten – „Deutschen Orden“ gibt es noch heute. Er nennt sich jetzt „Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“, ist, unter anderem, in Deutschland, Österreich, Tschechien und Slowenien vertreten, und widmet sich vorzugsweise wieder karitativen und bildungsorientierten Aufgaben. 

Autor: Manfred Zorn

 

 

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