Otto I. der Große – womit war er als König konfrontiert?

Zu Beginn seiner Regierungszeit hielten Otto I. der Große im Wesentlichen Familienstreitigkeiten, Unruhen im Land und die Umstrukturierung seines Reiches auf Trapp.

Aller Anfang ist schwer

Denn sein Regierungsstil nach dem Motto „Alle Macht liegt bei mir, dem König“ führte schon kurz nach Herrschaftsantritt zu Intrigen, mindesten einem Mordkomplott und allgemeiner Rebellion seitens einer sich benachteiligt fühlenden Gruppe der Stammesherzöge, aber auch unter den weit verschwippten und verschwägerten Familienmitgliedern.

Wie so oft, ging es dabei weitestgehend um Erbstreitigkeiten und damit einhergehend um vermeintlich entgangene Machtansprüche.

Die Protagonisten dieser scheinbar zu kurz Gekommenen waren – unter anderen –

  • Heinrich von Bayern (Ottos Bruder);
  • Thankmar (Ottos Halbbruder aus der Ehe seines Vaters Heinrich I. mit Hatheburg von Merseburg);
  • Eberhard von Franken (aus der Familie der Konradiner) und
  • Herzog Giselbert von Lothringen.

Otto I. begegnete den Revoluzzern einerseits mit härtesten Strafen, ließ aber – beispielsweise – im Fall Heinrichs (von Bayern) durchaus Milde walten.

Thankmar wurde 938 im Zuge der Auseinandersetzungen von Heinrichs Leuten am Altar der Kirche auf der Eresburg (Nordrhein-Westfalen) erschlagen, Eberhard fiel 939 in der Schlacht bei Andernach (Rheinland-Pfalz) und Giselbert ertrank anlässlich dieser Schlacht im Rhein.

Palastrevolution, Aufruhr, Blutvergießen

Aber damit war nicht aller Tage Abend.

Konflikte im Inneren mit Ottos Sohn Liudolf aus der Ehe mit Editha und dessen Verbündeten Konrad dem Roten sowie kriegerische Scharmützel in Böhmen, mit den Elbslawen und Ungarn, erforderten weiterhin Ottos uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Autorität.

Das familiäre Fingerhakeln wurde 954 durch Unterwerfung Heinrichs und Konrads behoben; die von Otto angestrebte Christianisierung der slawischen Stämme wurde mit brutaler Gewalt durchgesetzt und die ungarischen Reiterhorden im August 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld (südlich von Augsburg) vernichtend geschlagen.

Restrukturierung

Neben all diesen – zwar lästigen, aber in ihrer Behebung doch wichtigen Aufgaben – entschloss sich Otto, mit erheblichem Aufwand, zu robusten und möglichst dauerhaften Umstrukturierungsmaßnahmen seines Staatsgefüges.

Die Institution Kirche und ihre bischöflichen Vertreter wurden mit bis dahin nicht geahnten Gütern (unter anderem: Markt-, Münz- und Zollrechten und sich daraus ergebender weltlicher Macht) geradezu gepäppelt.

Ein kluger Schachzug, der die so korrumpierten Kirchenfürsten zu vorbehaltloser Loyalität ihm gegenüber verpflichtete.

Die Idee, die dieser Umgestaltung zugrunde lag, war nicht neu. Schon Konstantin der Große (*um280/°337) und Karl der Große (*etwa 748/°814) hatten sich für mehr staatlichen/weltlichen Einfluss auf die Kirche stark gemacht, d.h., keine Trennung von Kirche und Staat.

Die Kirche sollte nach Auffassung der genannten Fürsprecher, einschließlich Ottos I. des Großen, unter weltlicher Herrschaft stehen (Begriff: „Reichskirche“).

PS

Wer war Otto I. der Große? Siehe hierzu auch die Fragen: Otto I. der Große – woher kam er, wie und wann wurde er König? / Otto I. der Große – was trieb ihn dreimal nach Italien?

Autor: Manfred Zorn
Quelle: „Die Deutschen Cäsaren“ – (S. Fischer-Fabian / Droemer Knaur Verlag); „Das Reich der Deutschen“ – (Hg.: Nils Klawitter, Dietmar Pieper – DVA)

 

 

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