Otto I. der Große – woher kam er, wie und wann wurde er König?

Otto I. (*912 bis °973) war der erstgeborene Sohn aus Heinrichs I. des Voglers zweiter Ehe mit Mathilde – stammte also ebenfalls aus dem (nieder-)sächsischen Adelsgeschlecht der Luidolfinger/Ottonen.

 

Zur Person

In der einen oder anderen der zur Verfügung stehenden Chroniken wird er zwar keineswegs als strahlender Held, aber immerhin doch als eine Persönlichkeit mit starkem Willen, Sendungsbewusstsein und einem ausgeprägten Gespür für Macht und Würde geschildert.

Körperlich sei er von untersetzter Gestalt mit breiter Brust und schwerfälligem Gang gewesen. Aus heutiger Sicht vielleicht – für diejenigen, die den italienisch-französischen Schauspieler aus dessen etwa 70 Filmen, wie unter anderen: „Taxi nach Tobruk“, „Der Clan der Sizilianer“, „Adieu, Bulle“, noch kennen sollten – vergleichbar mit Lino Ventura (*1919/°1987).

Der trug allerdings nicht diesen löwenähnlichen Bart, den sich Otto im Laufe des Älterwerdens wachsen ließ. Und ob Ventura etwas von Ottos Jähzorn, oder von Ottos ihm nachgesagtem Harmoniebedürfnis hatte und im Schlaf sprach, ist auch nicht bekannt. Sei´s drum!

Otto arbeitete und betete gern, oft und viel, und hielt, so heißt es, nichts auf eitle Zurschaustellung, was Kleidung und schmückende Accessoires betraf – es sei denn, sein Erscheinen hatte zeremoniellen Ansprüchen zu genügen.

Lesen und Schreiben versuchte Otto sich erst verhältnismäßig spät beizubringen. Da war er bereits um die Dreißig und der Erfolg dieser Bemühungen blieb, so ist anzunehmen, eher rudimentär. Das Erlernen von Spiel, Sport, Jagd und Kampf schien ihm wesentlich wichtiger gewesen zu sein. Für die Kunst des Lesens und Schreibens hatte er seine Leute. In der Regel waren das die Männer der Kirche.

Erste Ehe

Mit Siebzehn, das war 929, wurde Otto – im Rahmen kluger Heiratspolitik seines Vaters – mit Editha (auch Edgith oder Edith), Tochter König Aethelstans von England (*etwa 894/°939), verheiratet.

Das eheliche Miteinander soll, den Annalen zur Folge, sehr harmonisch und glücklich gewesen sein. Aus der Ehe gingen die Kinder

  • Liudolf (*930/°957) und
  • Liutgard (*931 bis °953)

hervor. Editha verstarb 946.

Zweite Ehe

Wenige Jahre später, 951 (Ottos erster Aufenthalt in Italien), heiratete Otto in Pavia eine gewisse Adelheid von Burgund (*um 932/°999), die aufgrund ihrer ersten Ehe Königin von Italien war.

Zu diesem Zeitpunkt war Otto bereits seit 936 Herzog von Sachsen und – nach einer groß angelegten, aufwändigen Krönungszeremonie im gleichen Jahr in Aachen – König des Ostfrankenreiches.

Jetzt, mit dieser Heirat, rutschte Otto – sozusagen en passant – auch noch in die Position des Königs von Italien.

Adelheid „schenkte“ Otto die Kinder

  • Heinrich (*952/°954),
  • Bruno (??),
  • Mathilde (*um 955/°999; Äbtissin von Quedlinburg) und
  • Otto II. (*955/°983; später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches).

Kontroversen und Absurditäten

Ottos Königskrönung war in zweierlei Hinsicht sowohl ungewöhnlich, als auch zu jener Zeit in gewisser Weise aus dem Rahmen fallend.

  • Zum einen war da die 929 von Heinrich I. verfügte so genannte „Hausordnung“ (Versorgungs- und Nachfolgeregelung) zu Gunsten seiner Gattin Mathilde sowie seines Erstgeborenen zum alleinigen Nachfolger, die in dieser Eindeutigkeit nicht von allen Herzögen, Fürsten und sonstigen Großkopferten des Reiches geteilt wurde;
  • zum anderen gestaltete sich der Krönungsakt insofern befremdlich, als gleich drei Erzbischöfe den Anspruch auf die Durchführung der Krönungsperformance erhoben.

Nach einer – in den Überlieferungen durchaus unterschiedlich dargestellten – Lösung dieses Problems heißt es, dass schließlich der Mainzer Erzbischof mit der Übergabe der Reichsinsignien betraut wurde, der Mann aus Köln mit der Salbung und Krönung Ottos befasst war und der Erzbischof von Trier den König zum Thron geleiten durfte ...

PS

Wer war Otto I. der Große? Siehe hierzu auch die Fragen: Otto I. der Große – womit war er als König konfrontiert? / Otto I. der Große – was trieb ihn dreimal nach Italien?

Autor: Manfred Zorn
Quelle: „Die Deutschen Cäsaren“ – (S. Fischer-Fabian / Droemer Knaur Verlag); „Das Reich der Deutschen“ – (Hg.: Nils Klawitter, Dietmar Pieper – DVA)

 

 

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