Wie ging es nach dem Kidnapping mit Heinrichs IV. Erziehung weiter?

Kurz nach dem „Attentat“ auf ihren Sohn, zog sich Mutter Agnes (-> von Aquitanien und Poitou) zu Papst Alexander II. (*etwa um 1010/°1073) zurück, der 1061 die Nachfolge Papst Nikolaus´ II. (*um 990/°1061) angetreten hatte.
Heinrichs weitere Erziehung teilten sich Erzbischof Anno von Köln und Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen.

Während der Kölner Bischof Heinrich IV. nach überkommenen Prinzipien – Zucht, Ordnung, Pauken – zu lenken versuchte, ließ der Mann aus Hamburg-Bremen dem König sehr viel mehr Freiheiten.
Und die nutzte Heinrich IV. (*1050/°1106) geradezu exzessiv.
Er zog um die Häuser, trank, prügelte sich und trieb sich mit Prostituierten rum.
Um diesem Lotterleben ein Ende zu bereiten wurde beschlossen, Heinrich mit einer gewissen Bertha zu verheiraten. Aus Staatsräson!
Bertha stammte aus dem in Oberitalien einflussreichen Hause des Grafen von Savoyen und der Markgräfin Adelheit von Turin, und war bereits 1055 mit dem fünfjährigen Heinrich verlobt worden.

Obwohl Heinrich keinerlei Begeisterung weder für Bertha, geschweige denn für den Akt der Eheschließung zeigte, fand die Zeremonie 1068 trotzdem statt.
Aber bereits ein Jahr später, 1069 auf dem Reichstag zu Worms, forderte Heinrich von den versammelten Fürsten die Scheidung. Ein ungeheuerlicher Vorgang. Scheidungen waren seiner Zeit so gut wie unmöglich. Es sei denn, Heinrich hätte Bertha einen Seitensprung nachweisen können. Aber da war nichts. Also begnügte Heinrich sich einfach mit dem Argument, Bertha absolut nicht leiden zu können.

Hat aber nichts genutzt.
Selbstverständlich erkannte Papst Alexander II. diese fadenscheinige Begründung nicht an. Er verweigerte diesem frevelhaften Ansinnen Heinrichs schlichtweg seine Zustimmung.
Heinrich machte gute Mine zum bösen Spiel, nahm sein nicht standesgemäßes Verhalten wieder auf, vergnügte sich anderweitig, zeugte mit Bertha aber doch immerhin fünf Kinder – zwei Töchter, drei Söhne – von denen einer als Heinrich V. (und letzter aus dem Hause der Salier) das Erbe des Vaters  antreten sollte.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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