Warum wird Heinrich IV. häufig auch „der unglückliche Kaiser“ genannt?

Obwohl Heinrich IV. (*1050/°1106) in den Annalen durchweg als äußerlich angenehme Erscheinung und in seinen Eigenschaften als couragiert, furchtlos, kultiviert, gebildet und urteilssicher geschildert wird, scheint sein Misstrauen gegenüber fast jedem aus seiner Umgebung bereits in seiner Jugend geprägt worden zu sein.

Und das ist durchaus nachzuvollziehen.
Als Kind den Vater verloren, ungeliebt von der Mutter, die aus Machtspielen des Erzbischofs Anno von Köln erfolgte Entführung sowie - generell - die Zankereien zwischen der unfähigen Mutter und den Kirchenleuten um seine Erziehung, scheinen seinen Charakter nachhaltig beeinflusst zu haben. 
Seine Gegner dagegen sahen in Heinrichs zwiespältigem Verhalten ihnen gegenüber naturgemäß ausschließlich nur die negativen Züge.

Zeitlebens kämpfte Heinrich um die Macht im Reich. Und zwar im Wesentlichen gegen den missgünstigen, ehrgeizigen adeligen Klüngel und - wie nicht anders zu erwarten - gegen den Papst.
Letzteres im Besonderen gegen Papst Gregor VII. (*zwischen 1025/30??-°1085).

Aber trotz seiner tief greifenden Auseinandersetzungen mit diesem Mann, die den Höhepunkt des Investiturstreites sowie 1076/1077 den berühmten „Gang nach Canossa“ zur Folge hatten, blieb Heinrich IV. gläubiger Christ.

Obwohl er gelernt zu haben schien mit den ihm begegnenden Widrigkeiten umzugehen, muss ihn aber doch der Verrat seiner Söhne Konrads und Heinrichs (V.) sowie die Untreue seiner zweiten Ehefrau, Adelheid von Kiew, sprichwörtlich aus der Bahn geworfen zu haben.

Es heißt, er soll sich mit Suizidgedanken beschäftigt haben.
Anzunehmen ist daher durchaus, dass Heinrich IV. - zurückblickend auf sein Leben - im August 1106 (in Lüttich) „unglücklich“ starb.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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