Hat sich Barbarossa auf den Königsthron geschummelt?

Einerseits, andererseits!

Einerseits ist vielfach nachzulesen, Barbarossas Onkel, Konrad III. (* 1093/°1152), habe ihn, den III. Friedrich von Schwaben, anstelle des eigenen Sohnes, der ebenfalls Friedrich hieß, aber zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters erst acht Jahre alt war, auf dem Sterbebett zu seinem Nachfolger vorgeschlagen.

 

Was soviel hieße, dass die wahlberechtigten Fürsten Konrads III. Wunsch als bindend angesehen hätten.

Das ist nun andererseits nicht plausibel.

Denn erstens war es bis dahin Usus, dass immer zuerst die Söhne eines Amtsträgers, unanhängig davon, ob minderjährig oder nicht, als Nachfolger berücksichtigt wurden.
Und zweitens hätten sich die Fürsten kaum das Heft aus der Hand (-> hier: Ihre Mitwirkung an der Königswahl) nehmen lassen.

Kann es also sein, dass Barbarossa durch geschicktes Taktieren, Versprechungen und Zusagen an den einen oder anderen für die Zeit nach seiner Wahl – eben durch gewiefte Lobbyarbeit und damit verbundener Schaffung eines Interessenausgleichs – seinen Cousin und dessen Fürsprecher ausgetrickst hat?

Möglich ist es.

Denn (und das ist ja immer wieder das Prickelnde an der Wahrheitsfindung fortschreitender Geschichtsschreibung) frei nach Toyota: Nichts ist unmöglich!

Jedenfalls, auch das ist an anderer Stelle nachzulesen, soll es Barbarossa nach Konrads III. Dahinscheiden derart eilig gehabt haben, die (augenscheinlich!?) bereits angesetzten Termine –

  • Königswahl in Frankfurt;
  • Krönung in Aachen durch den Erzbischof Arnold von Köln –

pünktlich einzuhalten, dass er dem Wunsch seines Onkels Konrad, im Kloster Lorch beigesetzt werden zu wollen, nicht nachkam.
Die Überführung von Bamberg nach Lorch hätte schlicht den Zeitplan durcheinander gebracht.

 

Wie auch immer

Konrad III. wurde im Bamberger Dom beigesetzt, Friedrich I. Barbarossa am 4. März 1152 in Frankfurt zum König gewählt, fünf Tage später in Aachen gekrönt und Konrads Sohn, Friedrich (IV.) von Rothenburg (*1144/°1167), mit dem Herzogstitel (-> von Schwaben) abgefunden ...

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Friedrich Barbarossa (Knut Görich - C.H.Beck; 2011)

 

 

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