Barbarossa, Papst Alexander III. und vier Gegenpäpste – wie ging das?

Ganz einfach!
Nach dem Tod Hadrians IV. im September 1159, wählte die Mehrheit der Kardinäle zwar den Juristen, Professor für Kirchenrecht, Kanzler des Heiligen Stuhls, Berater und Legaten des Verstorbenen, Orlando Bandinelli, als Papst Alexander III. (*um 1105/°1181) zum Nachfolger Hadrians IV. - aber Barbarossa hielt dagegen.

 

Konzil von Pavia

Auf dem von Kaiser Friedrich I. Barbarossa einberufenen Konzil von Pavia im Januar 1160, wählten die dort anwesenden kirchlichen Würdenträger den von Barbarossa favorisierten Octaviano de Montecello zum (Gegen)Papst Viktor IV. (*1095/°1164).

Alexander III. wurde zum Reichsfeind und Schismatiker (-> Schisma -> Glaubenspaltung) erklärt, Barbarossa im Gegenzug exkommuniziert.
Lustig!
Immer wieder ging es darum, wer der oberste Herr der Christen sei – Kirche (-> Papst) oder Staat (-> Kaiser).

 

Vertrag von Venedig

Die Meinungsverschiedenheiten darüber – zwischen Barbarossa und Papst Alexander III. – hielten gute achtzehn Jahre an, bis, ja bis Barbarossa schließlich 1177 in Venedig die Rechtmäßigkeit Alexanders als Inhaber des Stuhls Petris anerkannte.

Stellt sich die Frage: Warum nicht gleich so?
Warum versuchte Barbarossa all die Jahre vehement, seine Interessen - neben dem bereits erwähnten Viktor - weiterhin durch die

 

Gegenpäpste

  • Paschalis III. (*??/°1168),
  • Calixt III. (*??/°1178) und zum guten Schluss – für vier Monate und ohne weiteren Einfluss –
  • Innozenz III. (-> Lando von Sezze; *??/°??)

vertreten zu lassen?

Weil Barbarossa sich gegenüber seinen Fürsten im Land zu beweisen hatte, die Vormachtstellung eines Papstes nicht akzeptieren konnte und daher die Durchsetzung seiner Herrschaftsansprüche in Deutschland, aber auch in Italien, mit Päpsten seiner Wahl für günstiger hielt? Wahrscheinlich!

Motive, die sich bis heute in der Politik in ähnlicher Form durchaus beobachten lassen.

Allerdings, und das ist auch gut so, ist der bis über das Mittelalter hinaus reichende Wettstreit zwischen Papst und weltlichem Herrscher zum Glück Schnee von gestern.

 

Wie es weiter ging

Zurückzuführen ist die Sache mit dem "Schnee" auf die gegen Ende des 17. Jahrhunderts einsetzende geistige Bewegung der „Aufklärung“, vertreten z.B. durch

  • Immanuel Kant,
  • Friedrich II., den Großen – den „alten Fritz“,
  • Gotthold Ephraim Lessing,
  • Jean-Jacques Rousseau u.a.m.,

die schließlich und endlich in die Französische Revolution (-> 1789) mündete und im Weiteren zur sogenannten Säkularisation (-> Trennung von Kirche und Staat) führte.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Friedrich Barbarossa (Knut Görich - C.H.Beck, 2011)

 

 

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