Barbarossa und die Päpste – ein „running gag“?

Na ja, das wäre übertrieben.
Aber, wie man heute weiß, war Friedrich I. Barbarossa passionierter Verfechter der Wiederherstellung kaiserlicher Macht nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien. Immerhin verbrachte er in der Summe seiner sechs Italienreisen zwölf Jahre (-> von achtunddreißig Herrschaftsjahren) in diesem Land.

 

Fürsten

Mit seiner charismatischen Erscheinung, seinem ausgeprägten Pragmatismus und diplomatischem Geschick, verstand er es, die Fürsten – mit Ausnahme Heinrichs des Löwen, der nicht immer so wollte, wie der Stauferkaiser – für seine Politik zu gewinnen.

 

Päpste und Gegenpäpste

Mit den Päpsten dagegen, hatte Barbarossa es nicht so. Die machten ihm – naturgemäß – seinen Anspruch streitig, hielten sie doch ihre von Gott (-> und dem Apostel Petrus) abgeleitete päpstliche Stellung prädestiniert für die Erhaltung ihrer italienischen Territorialmacht.

Das Gezerre um die Vormachtstellung begann bereits mit  Eugen III. (Papst von 1145-1153) und – den lediglich knapp eineinhalb Jahre residierenden Anastasius IV. außen vorgelassen – Hadrian IV. (Papst von 1145-1159).

Dann folgte für fast zweiundzwanzig Jahre Alexander III. (Papst von 1159-1181), einer der bedeutendsten Päpste des Mittelalters – und für Barbarossa eine harte Nuss, gegen den er über die Jahre vier ihm loyal ergebene Gegenpäpste:

  • Victor IV. (Papst von 1159-1164),
  • Paschalis III. (Papst von 1164-1168),
  • Calixt III. (Papst von 1168-1178) und
  • Innozenz III. (Papst von 1179-1180)

aufbot.

 

Barbarossa, Papst Alexander III. und weitere Päpste

Barbarossa ließ Alexander durch Papst Victor IV. 1160 mit der Reichsacht und dem Kirchenbann belegen, woraufhin Papst Alexander sich kurz darauf mit der Exkommunikation des Kaisers und dessen Adlaten Victor revanchierte.

Schließlich, 1177, im sogenannten Frieden von Venedig, erkannte Barbarossa seinen Gegenpart als rechtmäßigen Papst an. Als Alexander im August 1181 im Exil verstarb, folgten auf ihn  - bis zum Tod Barbarossas 1190 - noch vier weitere Päpste:

  • Lucius III. (Papst von 1181-1185), der sich mit Barbarossa zwar über ein Vorgehen gegen die Ketzerei einigte, aber dessen Sohn, Heinrich VI., die Krönung zum Mitkaiser verweigerte;
  • Urban III. (Papst von 1185-1187), war als Mailänder naturgemäß kein Freund des Kaisers, brüskierte ihn verschiedentlich, arrangierte sich aber, als Heinrich VI. die Lombardei unterworfen hatte; beschloss, sich einem der nächsten Kreuzzüge anschließen, verstarb aber zuvor im Oktober 1187;
  • Gregor VIII. (Papst 1187), wurde im Oktober gewählt, rief neun Tage später zum 3. Kreuzzug auf und verstarb im Dezember d.J. und
  • Clemens III. (Papst von 1187-1191), konnte nach über vierzig Jahren als erster Papst sein Amt wieder in und von Rom aus wahrnehmen, schloss 1189 mit Barbarossa den Vertrag von Straßburg, der die Rückgabe des von Barbarossas Sohn, Heinrich VI., annektierten Kirchenstaates festschrieb, aber Heinrich VI. auch die kaiserlichen Rechte und die Kaiserkrönung einräumte.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Friedrich Barbarossa (Knut Görich - C.H.Beck, 2011)

 

 

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