Was wollte/konnte Barbarossa mit seinem 5. und 6. Italienzug erreichen?

Nun ja, so richtig zufriedenstellend gestalteten sich diese Reisen nicht.

 

Was zuvor getan werden musste

Nachdem Barbarossa sich in den zurückliegenden sechs Jahren, von 1168 bis 1174, recht erfolgreich um die Konsolidierung seiner Machtposition und die geschickte Erweiterung seines Landbesitzes im Reich nördlich der Alpen (-> u.a. im Elsass, in Schwaben, Oberfranken und im Vogtland) gekümmert, sich für Straßen-, Burgen- und Städtebau stark gemacht und Welf VI. dessen „mathildische Güter“ (-> Teile der Toskana, Emilia-Romagna und Lombardei) sowie Korsika und Sardinien „abgekauft“ hatte, schien es ihm an der Zeit, erneut den Ausgleich mit den Lombarden zu suchen.

 

Aber, sein 5. Italienzug (-> 1174-1176),

bei dem es auch um den Streit der zu Ehren Papst Alexanders III. gegründeten Stadt Alessandria/Alexandria (-> Piemont/Italien) ging - immerhin waren Städtegründungen kaiserliches Vorrecht! - verlief für Barbarossa, wie die beiden Italienzüge zuvor - glücklos.
Zwar wurde der Streit halbherzig mit dem Frieden von Montebello aufgeschoben (-> der erst 1183 mit dem Frieden von Konstanz, zwischen den norditalienischen Städten und Kaiser Friedrich I. Barbarossa, tatsächlich aufgehoben wurde), aber dann war da noch die „Schlacht von Legnano (-> nahe Mailand) 1176, an der teilzunehmen Heinrich der Löwe sich geweigert hatte, und die nicht gut für Barbarossa ausging - erneut zog er es vor, zu fliehen ...

 

Barbarossas sechster und letzter Italienzug (-> 1184/1185)

war im Wesentlichen darauf ausgelegt, in den Städten des Lombardenbundes (-> u.a. in Mailand, Piacenza, Verona, Modena, Vicenza, Padua, Bologna) Präsenz zu zeigen.
Die Zahl seiner Mitreisenden war übersichtlich, auf die Begleitung hochgerüsteten Militärs hatte Barbarossa bewusst verzichtet.
Und doch gab es einen unangenehmen Zwischenfall.
Bei Lodi (-> Lombardei/Italien) beschwerten sich die Einwohner der lombardischen Stadt Crema (-> nahe Cremona; beide Lombardei/Italien) wegen gefĂĽhlter ungerechter Behandlung durch ihre Nachbarn ĂĽber die Cremonesen.
Die revanchierten sich daraufhin mit der Vertreibung der renitenten Cremasken, womit sie wiederum Barbarossa brĂĽskierten, dem dadurch die AusĂĽbung der nur ihm zustehenden Gerichtsbarkeit genommen wurde.
Das konnte Barbarossa selbstverständlich so nicht stehenlassen.

Um diese - wie so oft - komplizierten mittelalterlichen Sachverhalte abzukĂĽrzen:
Mit Unterstützung der Mailänder, die sich inzwischen mit dem Kaiser arrangiert hatten, gelang es schließlich, die Cremonesen zur Räson zu bringen. Ohne Gewaltanwendung! Barbarossa beließ es großzügigerweise bei einer Geldstrafe und regelte die verbliebenen Gegensätze vertraglich …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: Die Deutschen Cäsaren (S. Fischer-Fabian; Droemer Knaur);
Friedrich Barbarossa (Knut Görich; C.H.Beck 2011);
Deutsche Geschichte fĂĽr Dummies (Christian v. Ditfurth; Wiley-VCH Verlag)

 

 

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