War Barbarossa nun ein Held oder nicht?

Nun, bis ins 19. Jahrhundert hinein scheint Barbarossa (*etwa 1122/°1190) - aus politisch-patriotisch motiviertem Wollen und Streben der Zeit nach einem deutschen Nationalstaat - so etwas wie eine Vorbildfunktion gehabt zu haben. Seine Politik sowie die ihm unterstellte Absicht, seinen Machtbereich wieder zur Größe des von Karl dem Großen (*etwa 747/°814) hinterlassenen Reiches auszuweiten, wurde daher wohlwollend - um nicht zu sagen: mystisch - verklärt.
Nach neuesten geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen weicht dieses Bild inzwischen einer kritischeren Betrachtung seiner Persönlichkeit.

Zwar bezog Barbarossa seine ihm unterstellten Fürsten - sozusagen „demokratisch“ - in sein Tun und Handeln mit ein, schien auch durchaus um Ausgleich und Frieden bemüht gewesen zu sein, behielt dabei aber fraglos neben der - oft mit eiserner Faust betriebenen - Wiederherstellung und Erhaltung des Reiches, gleichermaßen auch seine ureigenen persönlichen Geltungsansprüche im Auge.

 

Kurz und gut

Obwohl ihm Goethe naturgemäß nicht bekannt gewesen sein kann, scheint Barbarossa es doch mit dessen Figur „Faust“ gehalten zu haben, der „Vor dem Tor“ auf dem „Osterspaziergang“ zu seinem Adlatus Wagner sagt: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“.

Vielleicht lässt sich so im Nachhinein erklären, warum Barbarossa einerseits - zum Beispiel - der Initiator und Veranstalter prächtigster Hoffeste (u.a. 1184 in Mainz), andererseits der unerbittliche Zerstörer Mailands (1162) war - Held hin, Held her!
Sei's drum!
Anderslautende Interpretationen sind ganz sicher möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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