Warum kam es 1157 auf dem Reichstag von Besancon eigentlich zum Eklat?

Ja, warum?
Nun, es ging um die Auslegung eines Begriffs.
So, wie eine 0 in der Mathematik, aber auch in der Politik eine bedeutende Rolle spielen kann, war hier in Besancon die Vokabel „Beneficium“ Gegenstand des fortwährenden Streites zwischen Kurie (-> Papst Hadrian IV.) und weltlicher Macht (-> Kaiser Friedrich I. Barbarossa).

Beneficium“, im Lateinischen soviel wie „Wohltat“ – in diesem Fall also:

Hallo, Kaiser! Deine „kaiserliche Würde“ entspringt einer „Wohltat des Papstes“, meiner also!

Von kaiserlicher Seite wurde der Begriff mit „Lehen“ übersetzt, was die päpstlichen Gesandten zum Verlassen des Saales veranlasste.
Was aber wohl nur eine symbolische Geste gewesen sein muss, denn unmittelbar darauf, die Kirchenleute waren wieder in den Verhandlungsraum zurückgekehrt, musste Hadrian IV. (*??/°1159) flugs einräumen, die Krone nicht als Lehen, geschweige denn den Kaiser als Lehnsmann angesehen zu haben.

 

Nebenbei bemerkt

Überbringer des zu diesem Eklat führenden "Beneficium"-Schreibens war der päpstliche Legat Orlando Bandinelli, der spätere Papst Alexander III. (-> Papst von 1159-1181).

 

Fazit

Soweit, so gut – zwar hatte man eine Einigung über einen Begriff erzielt, aber in der Folge nichts an der ewigen Streitfrage geändert.
Wer hat das Sagen? Papst oder Kaiser? Wer war zuerst da? Das Huhn, oder das Ei?
Die Suche nach einer Antwort ging vorerst munter weiter …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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