Wie kamen die Sarazenen im 13. Jahrhundert nach Lucera?

In Friedrichs II. Königreich Sizilien war zu Beginn des 13. Jahrhunderts sozusagen der Teufel los. Die politische Situation in diesem Vielvölkerstaat war angespannt. Unter anderen waren es die muslimischen Sarazenen, die zwischen 1221 bis 1225 mit ihren Übergriffen gegen Christen für ständige Unruhe sorgten.

 

"Luceria Saracenorum"

Diesem Treiben musste dringend Einhalt geboten werden. Also entschloss sich Friedrich, die Störenfriede sukzessive in verschiedene Gegenden Apuliens umzusiedeln – unter anderem eben auch nach Lucera. Dem Ort, der ihnen ab 1239 sogar als einzigem und ausschließlichen Lebensraum zugewiesen wurde. Unter dem Schutz des Kaisers, entwickelte sich in der Folgezeit eine (fast) ausschließlich islamisch geprägte Siedlung (-> „Luceria Saracenorum“) mit (geschätzt) dreißig- bis fünfzigtausend Einwohnern.

 

"Castello di Lucera"

Friedrich II. gestattete den Sarazenen, nach muslimischen Gesetzen zu leben und Recht zu sprechen, Moscheen zu bauen, Koranschulen einzurichten und sich selbst zu verwalten. Schlicht gesagt, Friedrich brachte ihnen Sympathie, Liberalität und – damit verbunden – ein gewisses Grundvertrauen entgegen. Alles Grund genug für Friedrich II., an diesem Ort 1233 mit dem Bau eines Palastes (-> „Castello di Lucera“) zu beginnen, die Sarazenen zum Kriegsdienst zu vergattern sowie später sogar von Männern eines sich herausbildenden Elitekorps, wenigstens für eine gewisse Zeit, den von der Burg Trifels (-> Annweiler/Rheinland-Pfalz) herangeschafften Kaiserschatz bewachen zu lassen.

 

PS:

Natürlich war, wie sollte es auch anders gewesen sein, Friedrichs tolerante Einlassung mit den Sarazenen der Kurie, und im Besonderen den Päpsten Gregor IX., Coelestin IV. sowie Innozenz IV. ein ständiger Dorn im Auge.
Zwar räumte Friedrich Papst Gregor IX. die Missionierung sogenannter Ungläubiger ein, blieb aber gelassen, weil „seine“ Sarazenen sich von päpstlichen Exkommunikationsdrohungen ohnehin völlig unbeeindruckt zeigten. 
Ganz im Gegenteil - Friedrichs II. muslimische Untertanen, Soldaten, Bogenschützen (-> zu Fuß und zu Pferd), Bauern, Händler und Handwerker, blieben ihm sogar bis weit über seinen Tod hinaus (1250) treu ergeben.
Erst um 1300 wurden sie, nach wechselvollen Jahren, von Karl II. von Anjou (-> von 1285 bis 1309 König von Neapel) vernichtend geschlagen, um nicht zu sagen: massakriert.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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