Wie kam Friedrich II. von Hohenstaufen zu dem Spottnamen „Sultan von Lucera“?

Das hat mit dem „Castello di Lucera“ zu tun. Es heißt, es sei die Landschaft gewesen, die Friedrich II. veranlasst habe, zwischen 1233 und 1240 auf einem unweit von Foggia (-> Apulien/Italien) gelegenen Höhenzug des Monte Albano den Palast von Lucera (-> „Castello di Lucera) errichten zu lassen, und zwar auf/über den Resten einer ehemaligen romanischen Kathedrale.

Nach ihrer Fertigstellung, soll die Burg sowohl der staatlichen Münze, als auch zeitweise eines Teils des Stauferschatzes zur Aufbewahrung gedient haben. Eine andere Version lässt wissen, dass der Kaiser in den Weiten der Räumlichkeiten auch seinen zahlreichen Konkubinen Platz gegeben habe. So sollen, glaubt man der Fama, zu Friedrichs Lebzeiten die wildesten Spekulationen die Runde gemacht zu haben. Hinter den Mauern des Castellos wurden zum Beispiel ein von Eunuchen bewachter Harem vermutet, junge Männer als Lustknaben verdächtigt und Kaiser Friedrich II. wegen seiner mutmaßlichen Ausschweifungen mit dem Spottnamen „Sultan von Lucera“ belegt.

Alles aber möglicherweise allein darauf zurückzuführen, dass in Friedrichs luxuriösem Hofstaat Sarazenen auch als Wettkämpfer, Tänzer, Musiker, Akrobaten, Spaßmacher, Tierbändiger etc. eine große Rolle spielten. Friedrich II. war eben, wie in überlieferten Quellen nachzulesen, scheinbar kein Kostverächter. Egal.

Heute sind von Friedrichs Castello nur noch geringe Reste vorhanden. Und die Wenigen, die noch da sind, befinden sich hinter der gewaltigen, nahezu neunhundert Meter langen Ummauerung, die lange nach Friedrichs II. Tod Karl I. von Anjou (-> von Papst Clemens IV. 1265 mit dem Lehen und 1266 mit dem Königstitel von Sizilien bedacht) zwischen 1269 und 1283 errichten ließ. 

Autor: Manfred Zorn

 

 

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