Was waren eigentlich Friedrichs II. Lieblingsbeschäftigungen?

Nun ja, neben der Fülle der von ihm praktizierten „Steckenpferde“, stechen – um nur einige zu nennen – Architektur, Dichtung, Philosophie und die Falknerei ganz besonders hervor.

Dichterschule

So sollen in der von ihm gegründeten Dichterschule, unter anderem, das Sonett (-> lat. von: „sonus“/“Klang, Schall“; daher auch „Klanggedicht“ genannt), die Intensivierung einer italienischen Literatursprache (-> Dichtung gab es bis dahin nur in lateinischer Sprache) sowie die Adaptionen der aus Frankreich überschwappenden Troubadourdichtung unter seiner Regie erfunden, erdacht und ausgeübt worden sein. Von Friedrich II. selbst sind vier Gedichte überliefert.

 

Menschen, Tiere, Sensationen

Um dem Wesen der Dinge auf die Spur zu kommen, legte Friedrich II. einen Tierpark an, in dem es sogar Löwen, Elefanten, Bären und Giraffen gab, und ließ sich zu Studienzwecken Pflanzen, Meeresgetier und Steine aus den Tiefen des Meeres holen.

 

"Sizilianische Fragen"

Im direkten und schriftlichen Dialog mit den Gelehrten seiner Zeit, setzte Friedrich sich leidenschaftlich mit den Fragen aller Fragen nach Ursache und Ursprung der verschiedensten Gegebenheiten dieser Welt (-> z.B. „Wie funktioniert das Universum?“, „Warum gibt es heiße Quellen und Feuer spuckende Vulkane?“ „Gibt es eine Seele? Und, wenn ja, wo steckt sie?“) auseinander. Ein von Friedrich in diesem Zusammenhang mit dem muslimischen Philosophen Abu Mohammed Abd el-Hakh Ibn Salin (*um 1217/°1269) anregend geführter Briefwechsel, stieß zwar beim Papst – wohl wegen eines vermuteten, aber vom Pontifex keinesfalls gewollten islamischen Einflusses – nicht unbedingt auf dessen Wohlwollen. Das änderte aber nichts daran, dass die aus dieser Korrespondenz bekanntgewordenen Einlassungen und Darlegungen beider Diskutanten – unter der Bezeichnung „Sizilianische Fragen“ – durchaus als Indiz für Friedrichs Umtriebigkeit in Wissensfragen galten und noch gelten.

 

Falknerei

Das, den Annalen zur Folge, für Friedrich II. wichtigste „Hobby“, soll aber ganz eindeutig die Falknerei, also die fachkundige Beschäftigung mit Greifvögeln gewesen sein. Mit einer wahren Hingabe scheint Friedrich sich der Falkenjagd, aber auch der damit zusammenhängenden Hege und Pflege, gewidmet zu haben. Neben eigenen Beobachtungen, griff Friedrich hier auch gern auf die Erfahrungen des arabischen Kulturraums zurück. Er züchtete Falken, richtete sie zur Jagd ab, „erfand“ die sogenannte Falkenhaube und schrieb ein – an Bedeutung noch weit in unsere Zeit reichendes – sechsteiliges und von ihm eigenhändig illustriertes Standardwerk „Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“ (-> „De arte venandi cum avibus“).

 

"Stupor mundi et immutator mirabilis"

Kurz, gut und trotz einiger ihm nachgesagter anrüchiger „wissenschaftlicher“ Experimente (-> z.B.: Obskure Sprachversuche mit Kindern), die allerdings nicht zweifelsfrei bewiesen zu sein scheinen und möglicherweise der Beschädigung seines Rufs und seiner Integrität geschuldet waren, wurde Friedrich II. bereits unmittelbar nach seinem Tod (-> 1250) von einem gewissen Matthäus Paris (*etwa 1200/°1259 -> Engländer, Benediktinermönch und Chronist)  bezeichnenderweise mit dem Begriff „Stupor mundi et immutator mirabilis“ (-> als „Staunen und wunderbarer Wandler der Welt“) benannt. Eine Beschreibung, die Friedrich II. in allen Publikationen bis heute (positiv) nachhängt.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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