Wie könnte die Kaiserkrönung Friedrichs II.abgelaufen sein?

So ganz genau weiß man nichts über die Zeremonie. Augenzeugenberichte sind nicht überliefert. Vermutet wird daher, dass das Ritual der Kaiserkrönung Friedrichs II. (-> 1220) wohl ähnlich den bis dahin bekannten Abläufen derartiger Festakte folgte – und das mag sich ungefähr wie folgt abgespielt haben:

 

Präludium

Der zukünftige Kaiser, Friedrich II., wurde von einer Schar singender kirchlicher Würdenträger zum Papst geführt, küsste diesem die Füße, spendete das übliche symbolische Goldopfer, wurde in die Reihen der Mitglieder des Domkapitels (-> „leitendes Organ katholischer Bischofskirchen“) aufgenommen, legte schließlich seine Krönungskleider an – und hatte auf dem Weg zur Salbung unentwegt Eide zum Schutz des Papstes, der Kurie und des Kirchenstaates zu schwören.

 

Salbung

Die Salbung (-> „das partielle Benetzen bestimmter Körperteile mit geweihtem Öl zwecks angestrebter Nähe zu Gott) wurde gemäß Protokoll nie vom Papst selbst, sondern – wie hier im Fall Friedrichs II. – vom Kardinalbischof von Ostia, Ugolino dei Conti di Segni (*etwa 1167/°1241), vorgenommen. Hatte sich dieses Prozedere bisher bereits über Stunden hingezogen, war es mit der Salbung aber noch nicht getan.

 

Krönung

Es folgte die Krönung durch Papst Honorius III. (*um 1148/°1227) mit Mitra (-> Kopfbedeckung der Bischöfe), Krone, Zepter, Reichsapfel und der Übergabe eines Schwertes, das die Verteidigung des Kirchenstaates durch den Kaiser symbolisieren sollte – und allenthalben wurde gesungen, gebetet und lobgepreist.

 

Verabschiedung

Dann, nun wieder vor der Peterskirche (-> die Krönung Konstanzes zur Kaiserin war ebenfalls glücklich beendet), hielt der Kaiser dem Papst die Steigbügel und führte dessen Pferd ein paar Meter am Zügel – eine Handlung, die von den gekrönten Häuptern in der Regel nur zähneknirschend absolviert wurde, konnte/sollte diese traditionelle Ehrbezeugung doch das Lehnsverhältnis des Kaisers zum Papst betonen. Egal. Anschließend ritten beide, Papst und Kaiser (-> mit Gefolge), eine nicht weiter definierte Strecke gemeinsam, tauschten den Friedenskuss und kehrten getrennt dahin zurück, woher sie gekommen waren. Der Papst zurück nach Rom, der frischgebackene Kaiser zurück zu seinem in der Nähe aufgeschlagenen Lager.

 

Übrigens

Der Mann, der mit der Salbung Friedrichs II. betraut war, Ugolino dei Conti di Segni, war einige Jahre später als Papst Gregor IX. (-> ab 1227) nicht nur derjenige, der zum sogenannten „Vater der Inquisition“ werden, sondern auch in ständigem Konflikt mit Kaiser Friedrich II. stehen sollte.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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