Was sind eigentlich die "Basilikata" und die „Konstitutionen von Melfi“?

Beginnen wir mit der „Basilikata“. Das ist eine vom Tourismus (noch) weitestgehend unentdeckte Region im Süden Italiens, ist im Atlas zwischen Kalabrien und Apulien zu finden und hat – mit etwa siebzigtausend Einwohnern – Potenza zur Hauptstadt.

 

Byzanz, Normannen und Friedrich II.

In der Antike wurde die Gegend, geographisch heute nicht mehr exakt deckungsgleich, "Lukanien" genannt. Im weiteren Verlauf der Geschichte, taucht der Name Basilikata in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf, und ist wahrscheinlich byzantinischen Ursprungs. Einen – bis in die heutige Zeit reichenden – sogenannten „Stempel“, haben dann die Normannen und Friedrich II. dieser Landschaft aufgedrückt.

 

Und jetzt kommt Melfi ins Spiel!

Dort hatte Friedrich II. eine bereits bestehende normannische Befestigungsanlage zu einem Kastell umbauen lassen und diesen Ort, sofern Zeit und Pflichten es zuließen, gern als „Sommerfrische“ genutzt. So richtig bekanntgeworden ist Melfi dann unter dem Begriff „Konstitutionen von Melfi“. Diese „Konstitutionen“ (-> lat: „Constitutiones Regni Siciliae“) sind eine Gesetzessammlung, die 1230 von Friedrich II. in Auftrag gegebenen wurde.

 

Das "erste staatliche Gesetzbuch Europas"

Obwohl ursprünglich als schriftliche Festlegung bisher praktizierten Gewohnheitsrechts sowie auch als Grundlage königlich-kaiserlicher Rechtsprechung im Königreich Sizilien gedacht, schrieb dieser Gesetzestext allerdings gleichzeitig die zentralistische Herrschaftsordnung bis weit in die Neuzeit (1809 in Neapel; 1819 in Sizilien) fest.
Und trotzdem!
Noch heute gilt die bereits ein Jahr nach Inangriffnahme (-> auf dem Hoftag in Melfi, 1231) verkündete Rechtsreform – in ihrem Anspruch und historischer Bedeutung – als das „erste staatliche Gesetzbuch Europas“.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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