Wieso war Friedrichs II. Rechtsreform von 1231 ein Affront gegen den Papst?

Na ja, dem Kaiser sollen, Chroniken zur Folge, Gerüchte darüber zu Ohren gekommen sein, dass auch der Papst (-> Gregor IX.; Papst von 1227 bis 1241) über eine Rechtsreform nachdachte. Da galt es, dem zuvorzukommen. Also gab Friedrich II. 1230 seinen Rechtsexperten flugs den Startschuss für die von ihm geforderte Zusammenstellung zukünftig rechtlich verbindlicher Vorschriften und Richtlinien.  

August 1231

Die arbeiteten tüchtig, kamen zügig voran und konnten bereits ein Jahr später, im August 1231, ihre gewonnenen Erkenntnisse (-> die „Konstitutionen von Melfi“/ lat: „Constitutiones Regni Siciliae“) auf dem von Friedrich anberaumten Hoftag in dem kleinen, zu Füßen des Monte Vulture gelegenen, Ort (-> Melfi) in der Region Basilikata (-> Süditalien) vom Kaiser verkünden lassen.

Worin lag denn nun aber die Provokation? Außer der Tatsache, dass Friedrich II. dem Papst den Zeitplan torpediert hatte?

Ok – die Antwort darauf hat der Historiker Wolfgang Stürner gegeben, der sagt: "Zurzeit Friedrichs II. wären aller Wahrscheinlichkeit nach die Formulierungen: „Constitutionum nostrarum corpus“ (-> „Gesamtwerk unserer Gesetze“) oder gar „Constitutiones imperiales“ (-> „kaiserliche Gesetze“) üblich gewesen..."

Kaiser vs. Papst

Das nun wiederum ließe durchaus erkennen, dass Friedrich II. mit dieser Hervorhebung unzweifelhaft seine Herrschaft in der Folge römischer Kaiser sah, und damit die Macht im Staate eindeutig für sich reklamierte. Wie auch immer!
Aber, vorstellbar wäre es durchaus, dass die möglicherweise losgetretenen Auswirkungen der genannten Interpretationen, so etwas wie „Öl ins Feuer“ für den Papst bedeuteten, gehörten dergleichen Sticheleien doch schlicht zu den seinerzeit gängigen Auseinandersetzungen zwischen weltlichen Potentaten und den Päpsten.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Friedrich II., Eine Biographie (Olaf B. Rader/C.H.Beck)

 

 

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