Warum gründete Friedrich II. eine Universität in Neapel?

Goethes „Zauberlehrling“ von 1797, der sich, in Abwesenheit des Hexenmeisters, endlich einmal selber beweisen will, bei seinen Zaubereien aber in eine ungeahnt missliche Lage gerät, und ausruft: „Die ich rief, die Geister, werd´ ich nun nicht los.“, war Friedrich II. naturgemäß nicht bekannt. Und doch kam die Situation, in der sich der frischgebackene Kaiser nach dem Hoftag 1220 in Capua befand, den gerufenen Geistern ziemlich nahe.

 

"Assisen von Capua"

Denn die in dem, in Kampanien (-> Süditalien) gelegenen, kleinen Ort verabschiedeten sogenannten „Assisen von Capua“ (-> eine zwanzig Gesetze zählende Rechtsordnung), setzten in ihrer Durchführung – neben anderem – gut ausgebildete Beamte und Juristen voraus, die nun allerdings in Friedrichs Reich nicht auf den Bäumen wuchsen. Und die, die es gab, waren entweder in Kloster-, Domschulen, auf den Unis in Bologna, Padua, Vicenza oder gar im "sonstigen Ausland“ ausgebildet worden.

 

"Universität Neapel Federico II."

Das wollte/musste Friedrich II., schon aufgrund seiner Abneigung gegen die Bologneser, die den Staufern ebenfalls nicht wohl gesonnen waren, ganz schnell ändern. Also legte er 1224 den Grundstein zur heute noch existierenden „Universität Neapel Federico II.“

 

Scholaren an der Kandare

Mit dieser Gründung einer Hochschule in Neapel, bot Friedrich II. den Studenten zwar die Möglichkeit, zukünftig nicht mehr ins „Ausland“ (-> womit auch Bologna gemeint war) gehen zu müssen, bestand aber gleichfalls darauf, dass die Scholaren (-> „fahrende Schüler/Studenten“) sozusagen "sesshaft" wurden. Wer studieren wollte, hatte das nunmehr zwingend und ausschließlich im Königreich Sizilien (-> zu dem Neapel gehörte) zu tun.

 

Zuckerbrot und Peitsche

Da Friedrich II. aber sehr schnell begriff, dass er sich mit seiner verordneten Zwangsbindung der Studenten an Neapel nicht unbedingt beliebt machte, lockte er potentielle Studienanwärter im Gegenzug mit einer ganzen Reihe von Privilegien und Vergünstigungen. So wurden zum Beispiel Wohnraum zu günstigen Mieten, Sicherheit und Schutz vor Spitzbuben und sonstigen Galgenvögeln, Stipendien, tolle Berufsaussichten, ein ausgesucht kompetenter Lehrkörper angeboten und versprochen – aber auch drakonische Strafen für diejenigen, die nicht im Reich, sondern weiterhin im "Ausland" oder gar im ungeliebten Bologna, zu studieren gedachten.

 

Abberufung und Ausschaltung

Und, in diesem Zusammenhang nicht zu vergessen, der Klerus war fortan außen vor. Weder hatten die Kirchenleute - wie bisher üblich - bei der Wahl der Dozenten, noch beim üblichen uniinternen Gerichtswesen weiterhin ein Wörtchen mitzureden.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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