Wieso trug Friedrichs II. Kreuzzug zur Verblüffung der Zeitgenossen bei?

Ganz einfach deswegen, weil er klug genug war zu erkennen, dass die Chance, mit Waffengewalt gegen die sogenannten „Ungläubigen“ vorzugehen, nicht sonderlich aussichtsreich gewesen wäre. Vielleicht hätte Friedrich die „Schlacht“, keinesfalls aber den „Krieg“ gewinnen können. Also versuchte er es auf die diplomatische Tour.

 

Anreise

Von Brindisi (-> Apulien/Süditalien) gings per Schiff zuerst nach Zypern. Dort stellte Friedrich klar, wer Herr im Hause ist – nämlich er, der Kaiser. Daran anschließend begab er sich nach Akkon (-> Galiläa/Israel), ließ sich von Pilgern, Mitgliedern der dort ansässigen Ritterorden und sogar vom Patriarchen Gerold von Jerusalem feiern, und suchte schließlich und endlich das Gespräch mit Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik (*um 1180/°1238), dem Neffen Sultan Saladins (*um 1137/°1193).

 

Verhandlungsgeschick

Das Ergebnis der langwierigen Verhandlungen, gipfelte im Februar 1229 im sogenannten Frieden von Jaffa, der den Christen einen zehnjährigen Waffenstillstand und, mit geringfügigen Einschränkungen (-> Jerusalem durfte von den Kreuzrittern nicht befestigt werden) den Zugang der Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth ermöglichte – und das alles ohne jegliches Blutvergießen.

 

Missgunst statt Beifall

Aber, wie das oft so ist im Leben, war auch hier Undank der Welten Lohn. Die Typen der Ritterorden (-> z.B. der Johanniter und der Templer) vermissten anscheinend das Säbelrasseln und versuchten daher, Unfrieden zwischen Christen und Muslimen zu schüren. Der Patriarch von Jerusalem kritisierte den freundschaftlichen Umgang Friedrichs mit den Moslems, wetterte über dessen angeblich lockeren Lebenswandel und Papst Gregor IX. brauchte noch gut zwei weitere Jahre, ehe er Friedrich vom Kirchenbann erlöste.

 

Jetzt erst recht

Zuvor, im März 1229, hatte Friedrich II. allerdings noch eins drauf gesetzt, und sich in der Grabeskirche von Jerusalem selbst, obwohl exkommuniziert, zum König von Jerusalem gekrönt – was für den Papst und die Kurie insgesamt, flapsig gesagt, so etwas war, als hätte jemand dem „Fass die Krone ins Gesicht geschlagen“. Für Friedrichs Zeitgenossen allerdings, waren nicht nur seine erfolgreichen Friedensverhandlungen verblüffend, sie empfanden – so wird gesagt – sogar seine „Selbstkrönung“ als geradezu sensationell.

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

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