Was war fĂĽr Friedrich II. so bedeutend an der Seeschlacht von Montechristo und Giglio?

Der in der Geschichte ausgesprochen ungewöhnliche Vorgang des sogenannten „Prälatenfangs“. Und der hat sich folgendermaßen zugetragen:

 

Vorausgeschickt

Der 1241 stattgefundenen „Seeschlacht von Montechristo“ (-> Insel im Mittelmeer vor der toskanischen Küste Italiens; nicht zu verwechseln mit der „Cháteau d´if“, der „Insel des Grafen von Monte Christo“) war, wie hätte es auch anders sein können, der unselige Streit um den Herrschaftsanspruch in der Lombardei (-> Lombardenbund) zwischen Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen und Papst Gregor IX. vorausgegangen. Beide fühlten sich in unüberwindbarer Feindschaft verbunden, der der Papst 1239 mit der Exkommunikation Friedrichs die Krone aufsetzte und Friedrich sich mit einigen militärischen Erfolgen im Kirchenstaat revanchierte.

 

Ein Konzil, Nizza und Genueser Mitfahrgelegenheiten 

Papst Gregor IX. beabsichtigte, ein Konzil in Rom abzuhalten, bei dem es unter anderem auch um die Absetzung des Kaisers gehen sollte. Zur Teilnahme an dieser Zusammenkunft wurden – ähnlich wie anlässlich des Konklaves zur Papstwahl – aus allen Gegenden und Ländern Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte und andere kirchlichen Würdenträger zusammengerufen. Da Friedrich aber inzwischen die passierbaren Landwege vom Norden nach Rom kontrollierte, versammelten sich die Kirchenfürsten in Nizza. Von dort sollte es mit den Schiffen der papstfreundlichen Genueser weitergehen zur „Ewigen Stadt“. Das galt es zu verhindern.

 

Der "Prälatenfang"

Also mobilisierte Friedrich seinen sizilianisch-kaiserlichen Flottenverband. Gemeinsam mit den Galeeren der auf seiner Seite stehenden Stadt Pisa, blockierte der Kaiser nun auch den Seeweg nach Rom. Nach einigen Tagen des Kreuzens auf See, kam es im Mai 1241 zwischen den Inseln Montechristo und Gigli zur entscheidenden Seeschlacht, die mit einem spektakulären Sieg Friedrichs II. über die Genueser und der Gefangennahme fast sämtlicher an Bord befindlichen Kirchenleute - und das sollen alles in allem etwa um die hundert Geistlichen gewesen sein - endete.

 

Papst, Nachfolger und Nachnachfolger

Nicht geendet hatte dagegen der Konflikt mit der Kurie. Zwar verstarb Papst Gregor IX. kurz nach diesem für ihn wenig schmeichelhaften Ergebnis der Seeschlacht (-> sein angestrebtes Konzil musste abgeblasen werden) im August d.J., aber der Nachnachfolger (-> zwischendrin gabs noch Papst Coelistin IV., der allerdings ebenfalls gegen Ende des gleichen Jahres verstarb) Papst Innozenz IV. (*etwa 1195/°1254), führte die Feindseligkeiten gegen den Stauferkaiser in unverminderter Härte fort.

 

Ăśbrigens:

Das ungünstige Schicksal der gefangenen Kirchenfürsten – sie wurden nach Pisa, San Miniato (Toskana/Italien), Neapel und schließlich auf verschiedene Burgen des Reiches gebracht, wo sie in nicht gerade "vornehm zurückhaltender englischer Art" ein grauenvolles Dasein fristeten – sprach nicht zu Gunsten Friedrichs II. Im Gegenteil! Sein lange Jahre währendes gutes Ansehen schwand dahin, wie Butter unter der Sonne …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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