Wie, wann und wo wurde Friedrich II. von Hohenstaufen geboren?

Unterwegs. Auf Reisen. Und wegen der hässlichen Anwürfe missgünstiger, um ihre Pfründe fürchtender Oppositioneller, auch irgendwie kafkaesk.

Im Mai 1194 begleitete Konstanze ihren Gatten auf dessen zweitem Italienfeldzug. Gemeinsam ging es über Mailand gen Süden. Marschrichtung Sizilien. Unterwegs eroberte Heinrich VI. erfolgreich die Städte Neapel und Salerno. Als Konstanze, die bereits bei der Abreise schwanger war, der Strapazen wegen ihre Reisegeschwindigkeit stark einschränken musste, eilte Heinrich voraus, übernahm kampflos Palermo/Sizilien und soll sich dort im Dezember 1194 Siziliens Krone aufs Haupt gesetzt haben.

Zu diesem Zeitpunkt, genauer: Einen Tag darauf, erreichte Konstanze die kleine mittelitalienische Stadt Jesi bei Ancona/Region Marken – und kam nieder. Das war am 26. Dezember 1194. Soweit, so gut. Aber nun kommt das Kafkaeske, das heißt, wenn es denn wirklich so gewesen ist. Möglicherweise gehört auch diese Geschichte ins Reich der Gerüchteküche. An der Legendenbildung über die Umstände der Niederkunft Konstanzes hat, den vorliegenden Quellen zur Folge, eine ganze Reihe sogenannter „gut unterrichteter Kreise“ mitgewirkt. Manche von ihnen auch erst Jahrzehnte, oder sogar Jahrhunderte nach Friedrichs Tod.

So unter anderen zwei Franziskanermönche, ein gewisser Pandolfo Collenuccio und ein italienischer Chronist namens Giovanni Villani (*um 1280/°1345??). Der hat, wie auch alle anderen, in seiner Abhandlung ebenfalls über Konstanzes Alter räsoniert, ihr sozusagen wegen ihrer vierzig Jahre eine Geburt nicht zugesprochen. Angeblich Grund genug für die schwangere Konstanze, auf dem Marktplatz von Jesi ein Zelt aufstellen zu lassen, und – um jeden Zweifel an der Geburt Friedrichs II. Lügen zu strafen – jedermann (und/oder Frau), der sich von der Geburt vor Ort und ganz direkt überzeugen wollte, zu diesem intimen Akt einzuladen. Und alle, alle kamen …

Ist das tatsächlich vorstellbar? Ein Marktplatz, ein Zelt? Immerhin war es Winter, der zweite Weihnachtsfeiertag! Egal. Was bleibt, ist die Legende.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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