Hatte Friedrich II. eine glückliche Kindheit?

Nein, nicht wirklich. Im Grunde scheint seine Kindheit nicht sehr freundlich, wenig kindgerecht und eines Kaisersohnes (-> Vater: Heinrich VI.; Mutter: Konstanze von Sizilien) nicht zwingend gerecht werdend gewesen zu sein.

Foligno bei Assisi (-> Umbrien/Italien)

Drei Monate nach Friedrichs Geburt 1194 in Jesi/Iesi (-> nahe Ancona, Region Marken/Italien) – bei der der Vater Heinrich VI. wegen unaufschiebbarer Staatsgeschäfte nicht anwesend war – gab ihn seine Mutter in die Obhut der Herzogin von Spoleto. Die nächsten gut drei Jahre, verbrachte der kleine Friedrich in Foligno bei Assisi (-> Umbrien/Italien). Gegen Ende d. J. 1196, Friedrich war keine zwei Jahre alt, setzte Heinrich VI. in Frankfurt dessen Wahl, in Abwesenheit, zum römisch-deutschen König durch.

König von Sizilien

Knapp ein Jahr später, im Herbst 1197, ließ seine Mutter – Heinrich VI. war im September d.J., vermutlich an Malaria (-> oder, Gerüchten zur Folge, von der Gattin vergiftet!?) verstorben – das Kind nach Palermo bringen, verzichtete auf den in Frankfurt erzielten Titel, ließ aber Friedrich stattdessen im Mai 1198 im Dom von Palermo zum König von Sizilien erheben. Eine kluge Entscheidung. Sicherte Konstanze doch dadurch den ihr rechtmäßig zustehenden Erbanspruch für ihren Sohn Friedrich. Und richtig, als hätte sie es vorausgesehen, verstarb sie, fast unmittelbar darauf, im November d. J. mit nur vierundvierzig Jahren.

Päpstliche Vormundschaft

Vierjährig und Vollwaise, kam Friedrich jetzt unter die kurz vor Konstanzes Tod zwischen ihr und Innozenz III. vereinbarte Vormundschaft des Papstes. Das war der Beginn eines jahrelangen Gezerres um die Macht im Königreich Sizilien. Alle nur denkbaren Interessenverbände der Zeit (-> apulische Barone, Repräsentanten des Papstes, deutsche Fürsten, normannische Adelige, arabische Emire) stritten, auch mit Waffengewalt, in für außen stehende Betrachter unübersichtlichen Kräfteverhältnissen, um die Vorherrschaft. Und der als König nicht ernst genommene minderjährige Friedrich, den jede dieser gegnerischen Parteien händeringend in seine Gewalt zu bekommen trachtete und dadurch absolut ernsthaften Gefahren ausgesetzt war, immer mitten drin.
Zwar scheint Friedrich – der einen und anderen Urkunde sowie erhaltenen Briefen zur Folge – während dieser Jahre durchaus eine adäquate ritterliche Erziehung erhalten zu haben, war sich im Übrigen aber wohl weitestgehend selbst überlassen.

Kurz und gut –

und, um es mit den Worten S. Fischer-Fabians in „Die deutschen Cäsaren“ auf den Punkt zu bringen: „Herumgestoßen, ausgenutzt, von niemandem wirklich geliebt, ohne Eltern, so wuchs er (Friedrich II.) auf, und je älter er wurde, umso gefährlicher wurde sein Leben, denn wer ihn besaß, besaß die Krone Siziliens“.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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