Warum wurde Friedrich II. zur Flucht nach Tunis geraten?

Friedrich II. von Hohenstaufen war Vierzehn, galt zu der Zeit also als volljährig, als ihm Papst Innozenz III. – nicht ganz uneigennützig – zur Heirat riet und auch gleich eine passende Gattin präsentierte: Konstanze von Aragonien/Aragón, die Schwester des nordspanischen Königs von Aragón (-> Hauptstadt: Saragossa/Zaragoza am Fluss Ebro). Dass Konstanze gute zehn Jahre älter war, spielte scheinbar keine große Rolle.

FĂĽr den Papst nicht,

weil Konstanze aus einem von ihm lehnsabhängigen Landstrich kam, keine Fürstentochter aus dem staufischen Klüngel war, somit eine Vereinigung des Stauferreiches mit Sizilien abgewendet und mit der gefürchteten „Umzingelung“ des Kirchenstaates vorerst nicht zu rechnen war.

Und fĂĽr Friedrich nicht,

weil er die von Konstanze – sozusagen als „Mitgift“ – mitgebrachten fünfhundert Ritter gut gebrauchen konnte, war doch seine Herrschaft keinesfalls gesichert.

Die Ausgangslage

Kein Geld, keine Krieger (-> auch Konstanzes Haudegen gingen nach kurzer Zeit den Weg allen Irdischen; sie wurden von einer Seuche dahingerafft.) und Otto IV. (-> der Gegenkönig Philipp von Schwaben war kurz zuvor ermordet worden; Otto jetzt Kaiser, Alleinherrscher und scharf auf Sizilien) mit seiner Streitmacht bereits vor den Toren des Königreichs Sizilien stehend, sah Friedrichs Lage und Zukunft nicht zwingend günstig aus. Noch zumal auch die Sarazenen auf der Insel nur auf einen günstigen Moment zum Angreifen warteten.

Bleiben, oder nicht bleiben,

das war hier die Frage. In dieser ungemütlichen Zangensituation, rieten ihm, Friedrich, die verbliebenen Getreuen zur Flucht nach Tunis. Ein entsprechend seetüchtiges Boot lag bereits zum Ablegen bereit. Aber, oh Wunder, Friedrich musste sich gar nicht aus dem Staub machen. Der wegen seiner Italienpolitik vom Papst mit dem Bann belegte Otto IV., brach die Invasion ab. In Deutschland regte sich Widerstand gegen ihn, also entschied er sich, heim zu reisen, um für sich und seine Herrschaft erst einmal zu retten, was zu retten war. 

Autor: Manfred Zorn

 

 

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