Wer war eigentlich Otto IV. von Braunschweig?

Otto IV. von Braunschweig (*um 1175/°1218),

Welfe, Sohn des Herzogs Heinrich des Löwen, in England von seinem Onkel Richard Löwenherz erzogen, war sowohl der Gegenpart des Stauferkönigs Philipp von Schwaben, als auch, von 1209-1218, der erste und letzte Welfenkaiser des römisch-deutschen Reiches. Beide, Philipp und Otto, lieferten sich nach dem Tod Heinrichs VI. (-> 1197) erbitterte Kämpfe um die Thronfolge, und vergaßen dabei tunlichst, dass es da unten im fernen Sizilien noch jemanden gab, der durchaus einen Anspruch auf die Königswürde hatte – nämlich Friedrich II. von Hohenstaufen. Der war nämlich bereits zweijährig und kraft Amtes seines Vaters, Heinrich VI., im Dezember 1196 von den deutschen Fürsten zum römisch-deutschen König gewählt worden.

Aber, zurück zu Otto IV. von Braunschweig:

Ein Jahr nach Heinrichs VI. Dahinscheiden wurde sowohl der Staufer Philipp von Schwaben von seinen Anhängern zum römisch-deutschen König gekürt, als auch der Welfe Otto – auf Betreiben des Kölner Erzbischofs, einiger weniger, den Welfen zugeneigter, Reichsfürsten sowie dem Zutun des Königs von England, Richard Löwenherz – zur Verblüffung des Reiches zum Gegenkönig ausgerufen. Das war im Jahr 1198.

Zehn Jahre hielten Rivalität und Machtkämpfe beider Kontrahenten an, wobei schließlich und endlich (-> nach der, für die Welfen verlorenen, Schlacht von Wassenberg) 1206 das Pendel zu Gunsten der Staufer ausschlug. Dann aber, 1208, wurde Philipp von Schwaben in Bamberg ermordet, und nur wenige Monate danach, ließ sich Otto – jetzt weitestgehend anerkannt – ein weiteres Mal zum König wählen. Im Jahr darauf, 1209, krönte ihn Papst Innozenz III. zwar zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, bereute es allerdings kurz darauf wegen unüberbrückbarer Interessenkonflikte Italien betreffend.

Schließlich, die Faxen dicke, wurde Otto kurzerhand vom Papst exkommuniziert, zuerst 1210, dann, doppelt hält besser, 1211 ein zweites Mal. Von nun an gings bergab.

In der Schlacht bei Bouvines (-> Region Nord-Pas-de-Calais/Frankreich) – Friedrich II. von Hohenstaufen war inzwischen zum sogenannten „anderen Kaiser“ gewählt worden und mit dem französischen König Philipp II. August verbündet – erlitt Otto im Juli 1214 eine vernichtende Niederlage, zog sich nach Braunschweig zurück und verstarb dort im Mai 1218. 

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige