Warum konnten sich eigentlich Friedrich II. und Papst Innozenz IV. nicht ausstehen?

Nun, mit Fug und Recht kann wohl gesagt werden: Papst Innozenz IV. (*1195/°1254) war die uneingeschränkte Steigerung aller vorangegangenen Päpste in der Abneigung gegenüber Kaiser Friedrich II., aber auch der energischste Befürworter päpstlicher Vorherrschaft. Zwar war Friedrich nach dem Tod Papst Gregors IV. – auch wegen der  Aufhebung seiner zweiten Exkommunikation – um eine Aussöhnung mit dem Nachfolger bemüht, verzichtete jedoch 1243 darauf, als Innozenz IV. auf dem Abzug Friedrichs aus dem Kirchenstaat beharrte. Friedrich suchte nun das persönliche Gespräch, marschierte, eigentlich in friedlicher Absicht, gen Rom und – veranlasste damit den Pontifex 1244 zur Flucht nach Genua und später sogar nach Lyon.

 

Das Konzil von Lyon und Friedrichs Absetzung

Dort, in Lyon, erneuerte Innozenz IV. 1245 den Bann über Friedrich, berief im Sommer d.J. das Konzil von Lyon ein, erklärte Friedrich II. kurzerhand für abgesetzt und dessen Sohn Konrad IV. (*1228/°1254 -> aus Friedrichs zweiter Ehe mit Isabella von Brienne, der Königin von Jerusalem) gleich mit. Als Gründe für dieses Vorgehen wurden Friedrich, neben mangelnder Lehenstreue, Blasphemie und Ketzerei, auch die vom Papst als unbotmäßig erachtete Vermählung von Friedrichs Tochter Konstanze (*um 1230/°1307 -> aus der außerehelichen Beziehung mit Bianca Lancia) mit dem „Häretiker“ Johannes III. Dukas Vatatzes, Kaiser von Nikäa, genannt.

 

Schöpferische Pause

Natürlich, wie auch anders, machte Friedrich sich deswegen keinen Kopf. Er ignorierte die Vorwürfe, und mit ihnen seine Absetzung. Auch die Wahl zweier Gegenkönige beeindruckte ihn wenig, er zog sich (-> 1246) zurück nach Foggia (-> Apulien/Italien). Aber, Ruhe war nicht sein Ding. Schon bald entschloss er sich, seinen Sohn Konrad IV. (*1228/°1254), König des „Heiligen Römischen Reiches“ sowie König von Sizilien und Jerusalem, in Deutschland im Kampf gegen die Gegenkönige zu unterstützen, gab aber die Idee eben so schnell wieder auf, als er erfuhr, dass der erste Gegenkönig (-> Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen) tödlich verunglückt war.

 

Die Belagerung von Parma

Stattdessen wandte Friedrich sich gegen das von papsttreuen Gefolgsleuten eroberte Parma (-> Emilia-Romagna/Italien), begann 1247 die Stadt zu belagern, erlitt aber im Februar 1248 – aus Gründen einer gewissen Überheblichkeit und damit einhergehender Nachlässigkeit? Oder doch mehr wegen einer effizienteren Strategie der Eingeschlossenen? – eine vernichtende Niederlage. Von nun an, gings bergab.

 

Epilog (1)

Friedrich marodierte noch eine Zeitlang in Oberitalien, feierte im Piemont/Italien die Hochzeit seines Sohnes Manfred (*1232/°1266; -> unehelicher Sohn aus der Verbindung mit Bianca Lancia) mit einer savoyischen Grafentochter, betrauerte 1249 den Tod seines, ebenfalls unehelichen (-> dieses Mal hieß die Mutter Adelheid und stammte aus Schwaben) Sohnes Enzio, König von Sardinien (*1220/°1249), hoffte kurzfristig, den nach wie vor in Lyon weilenden Papst letztlich doch noch am Kanthaken packen, oder wenigstens die Aufhebung des Banns erreichen zu können, erkrankte aber – möglicherweise an der Ruhr – und verstarb schließlich im Dezember 1250 auf der Burg „Castel Fiorentino“ in Apulien/Italien. Friedrich II. wurde neben seinen Eltern im Dom von Palermo (-> Sizilien/Italien) beigesetzt.

 

Epilog (2)

Und? Was tat der Papst? Nun, Innozenz IV. kehrte 1253 über Perugia (-> Umbrien/Italien) zurück nach Rom, setzte unbeirrt seinen Vergeltungsdrang gegen die Staufer Konrad IV. und, nach dessen Tod, gegen Manfred fort, und ging, fast exakt vier Jahre nach seinem Kontrahenten Friedrich, im Dezember 1254, den Weg allen Irdischen …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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