Wie kamen Friedrich II. und Papst Gregor IX. eigentlich miteinander zurecht?

Überhaupt nicht! Mit dem Pontifikat Papst Gregors IX. (*etwa 1167/°1241) eskalierte das Verhältnis zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Papst geradezu. Gregor, Neffe des Vorvorgängers Innozenz III., war ebenso wie dieser fest davon überzeugt, die Weltherrschaft sei ausschließlich Sache des Papstes, also der katholischen Kirche und des Kirchenstaates unter Führung des „Pontifex Maximus“ – eines von Papst Leo I. (*etwa 400/°461) für die Kirche wiederentdeckten Begriffs aus dem Römischen Reich! Basta! Gregor fehlte es ganz einfach an der Nachsicht, die Papst Honorius III. (*1148/°1227) dem Kaiser entgegengebracht hatte.

 

Mangelnde Einsicht des Papstes

Im Jahre 1227, kaum in Amt und Würden, lag er Friedrich II. massiv mit der Forderung in den Ohren, doch nun endlich den bereits 1215 in Aachen, anlässlich Friedrichs Krönung zum römisch-deutschen König, gegenüber Papst Innozenz III. zugesagten Kreuzzug (-> je nach Betrachtungsweise, wars entweder der Fünfte – incl. des Kreuzzuges von Damiette oder, einzeln gesehen, eben der Sechste) anzutreten. Als Friedrich im Sommer 1227 tatsächlich loslegen wollte, sich aber, bedingt durch eine unter seinem Kreuzfahrerheer grassierende Seuche, den Aufbruch erneut aufzuschieben genötigt sah, war Papst Gregor IX. in keiner Weise einsichtig. Im Gegenteil!

 

Friedrichs Kreuzzug trotz Kirchenbann

Gestützt auf den 1225 geschlossenen, aber nun erneut nicht eingehaltenen Vertrag von San Germano, wurde Friedrich II. – gepaart mit den krudesten Verdächtigungen und fiesesten Unterstellungen – kurzerhand vom Papst exkommuniziert. Na ja, um es kurz zu machen: Obwohl mit dem Bann belegt, unternahm Friedrich ein Jahr später, jetzt erst recht, doch noch seinen Kreuzzug (-> 1228 bis 1229), erreichte auf diplomatischem Wege, im zu Beginn d.J. 1229 mit Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik (*etwa 1180/°1238) geschlossenen Frieden von Jaffa, einen zehnjährigen Waffenstillstand sowie die partielle Rückgabe Jerusalems an die Christen.

 

Wie der Papst die Abwesenheit des Kaisers nutzte

Stand dieser Kreuzzug ohnehin schon nicht unter päpstlichem Segen, hatte Gregor die Abwesenheit Friedrichs auch noch dreist genutzt, in Apulien einzufallen, Friedrich, wegen dessen angeblich lockeren Lebenswandels und seiner Selbsterhebung zum König von Jerusalem, diffamiert und letztlich hasserfüllt zum Antichristen erklärt. Gregor schloss mit den Erzfeinden des Kaisers, dem Lombardenbund, gegen Friedrich gerichtete Verträge und intrigierte gegen seinen kaiserlichen Intimfeind dort, wo es nur möglich war. Undank ist anscheinend doch der Welten Lohn.

 

Schlammschlachten

Die folgenden, erbittert geführten, Auseinandersetzungen, wurden unter anderem bestimmt von der wechselnden Interessenlage in der Lombardei, dem Versuch einer (zwischenzeitigen) Annäherung mit großen Zugeständnissen an den Papst seitens Friedrich, der daraus folgenden Aufhebung der Exkommunikation (-> "Zweiter Vertrag von San Germano") 1230/31, erneut ausgebrochenen Interessenskonflikten in der von beiden Seiten beanspruchten Lombardei sowie, damit einhergehend, einer vollkommenen Ignoranz dessen, was päpstliche Ansprüche, Order und Strukturen im Königreich Sizilien anging, von Seiten Friedrichs. Was folgte, war eine von Polemik, Zwietracht und Zänkerei getragene Schlammschlacht per Brief, Traktaten und Elaboraten übelster Art beider Kontrahenten und - der Einfall Friedrichs in den Kirchenstaat.

 

Eine Seeschlacht, ein Kreuzfahrtschiff und der Tod des Papstes

Diese Querelen setzten sich unvermindert fort, und gipfelten schließlich 1237 in der von Friedrich II. erfolgreich gewonnenen Seeschlacht bei den Inseln Montechristo und Giglio (-> beide Toskana/Italien; Giglio ist die, bei der im Januar 2012 das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ auf Grund lief), bei der Friedrich etwa einhundert kirchliche Würdenträger gefangen nahm. Anschließend marschierte Friedrich auf Rom zu, versuchte nebenher Brescia zu erobern, womit er allerdings scheiterte und Papst Gregor IX. sich daraufhin 1239 veranlasst sah, Friedrich ein zweites Mal zu exkommunizieren - nochzumal dem Papst auch die Vermählung Enzios (-> Friedrichs unehelichem Sohn aus der Beziehung mit einer gewissen Adelheid aus Schwaben) mit einer Erbin des päpstlichen Lehens Sardinien, was Enzio zum König von Sardinien machte, so überhaupt nicht genehm war.

Beendet wurde die langjährige Disharmonie zweier "Alphatiere" schlussendlich mit dem Tod Papst Gregors IX., der im August 1241 das Zeitliche segnete …

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

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