Stimmt es, dass Friedrich II. Experimente mit Menschen gemacht haben soll?

Das soll durchaus möglich gewesen sein. Aber, so ganz genau weiß man es nicht. Verfügbare Chroniken, die - zum Beispiel - über Sprachversuche an Babys oder die Verdauungsarten zweier zum Tode verurteilter Spitzbuben berichten, haben, so ist zu lesen, aus heutiger Sicht der Geschichtswissenschaft, durchaus den Charakter der „Yellow Press“ unserer Tage.

 

Kinder und Sprache

Im ersten Fall soll Friedrich II. versucht haben herauszufinden, in welcher Sprache Kinder zu reden beginnen, wenn sie zuvor in absoluter Sprachisolation „gehalten“ wurden, das heißt, wenn sie nie auch nur ein Wort von jemandem gehört hatten. Der Versuch misslang. Die ohne jeglichen Kontakt aufwachsenden Kinder siechten dahin und starben - wenn es denn wirklich so gewesen sein sollte.

 

Mageninhalte

Das Experiment mit den beiden Delinquenten verlief ebenfalls wenig erfolgreich. Nach üppiger Mahlzeit wurde dem einen gesagt, er solle schlafen, der andere dagegen wurde zu einem Dauerlauf vergattert. Anschließend hatte ein Arzt beider Magen zu öffnen, um festzustellen, wer von beiden besser verdaut habe. Anscheinend war kein Unterschied zu bemerken. Jedenfalls ist über das Ergebnis nichts weiter bekannt. Bleibt die Frage: Wurden die Übeltäter vor oder nach ihrer Exekution aufgeschlitzt?

 

Böswillige Unterstellung, üble Nachrede - oder doch nur Erkenntnisdrang? 

Na ja, entweder wurden dem Kaiser Dinge dieser Art nachgesagt, um ihn zu diskreditieren, oder weil ihm die Zeitgenossen - wegen seines jedem bekannten Wissensdurstes - ohnehin einen derartigen Forschertrieb schlicht und einfach zutrauten.
Wie auch immer!
Nicht umsonst verdankte Friedrich II. seinen Beinamen „stupor mundi“ (-> „das Staunen der Welt“) den vielfältigen Interessen, wie - unter anderem - der Dichtkunst, Naturwissenschaft, Philosophie, Literatur, Architektur, Jagd und der Falknerei. Ob das alles zusammen aber tatsächlich dazu taugt, diesem anerkanntermaßen gebildeten Mann die weiter oben genannten Menschenversuche zu unterstellen, bleibt letztlich wohl doch mehr oder weniger im geschichtlichen Dunkeln …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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