Konnte Heinrich VI. seinen „Erbreichsplan“ durchsetzen?

Nein, das konnte er nicht! Das blieb ein Wunsch, dessen Gedanke – einem Sprichwort zur Folge - der Vater sein soll! Heinrich hatte geglaubt, seinen Fürsten das Erbrecht Siziliens schmackhaft machen zu können. Dort konnte nämlich, wie auch in Frankreich und England, der Thron an den jeweils in Frage kommenden Sohn vererbt werden. Die Krone blieb sozusagen in der Familie.

Heinrich VI. und der Erzbischof von Köln: 

In Deutschland dagegen, wurde seit alters her der passende und genehme Nachfolger von den Fürsten gewählt. Und der, der gewählt wurde, musste nicht zwingend ein Sohn sein. Diese Gepflogenheit gedachte Heinrich VI. zu seinen Gunsten zu ändern. Mit dem listigen Hintergedanken, auf diese Weise ein für alle mal die Fortdauer der Stauferdynastie zu festigen. Aber, obwohl er den Fürsten im Gegenzug anbot, ihre Reichslehen ebenfalls auf die Nachkommen vererben zu dürfen und sogar anbot, das bisher praktizierte Machtmittel – die dem Kaiser erlaubte Aneignung der Hinterlassenschaft verstorbener Kirchenleute – abzuschaffen, hatte Heinrich die Rechnung ohne den Wirt, Erzbischof Adolf von Köln, gemacht. Der Kölner Kleriker zettelte unter den Fürsten des Reiches Widerspruch zu Heinrichs Plänen an.

Fazit:

Die Fürsten, deren Erbrecht faktisch ohnehin schon in der Praxis durchgeführt wurde, dachten nach und kamen zu dem Schluss, auf ihr Wahlrecht unter keinen Umständen verzichten zu wollen.

Heinrich VI. und Papst Coelestin III.:

Da sich auch Papst Coelestin III., trotz ihm zugesagter beträchtlicher finanzieller Vorteile, nicht für den Plan begeistern konnte – den trieb die Furcht vor einer „Einkesselung“ des mächtigen Stauferkaisers sowie das Missbehagen über den ihm zwar rechtlich zustehenden, aber vom Kaiser partout nicht gewährten Lehnseid für Sizilien – war Heinrichs „Erbreichsplan“ schließlich und endlich gescheitert.

Was ging noch?

Kaltschnäuzig wie er war, änderte Heinrich im Handumdrehen seine Pläne. Den einen, den „Erbreichsplan“ ließ er kurzerhand fallen, und wandte sich einem anderen zu – dem Kreuzzug. Zuvor gelang ihm allerdings der pfiffige Coup, seinen zweijährigen Sohn Friedrich – es soll um Weihnachten 1196 herum in Frankfurt stattgefunden haben – von den Reichsfürsten zum römisch-deutschen König wählen zu lassen. Na, bitte, etwas geht doch immer …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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