Wie ergaunerte sich Heinrich VI. ein erkleckliches Vermögen?

Genau genommen, mehr oder weniger durch Erpressung!

Und das kam so:

Richard Löwenherz (*1157/°1199), Kreuzritter, Abenteurer und von 1189 bis zu seinem Tod als Richard I. König von England. Richard hatte am 3. Kreuzzug (-> von 1189-1192) teilgenommen, und wollte 1192 – verdientermaßen – endlich zurück in seine Heimat. Da er aber – aus den verschiedensten Gründen – weder beim französischen König Philipp II. August, noch beim Herzog Leopold V. von Österreich und Heinrich VI. wohl gelitten war, und alle drei ihn liebend gern hinter Gitter bringen wollten – sah Richard sich gezwungen, den Rückweg – als Pilger verkleidet – über Österreich und Deutschland zu wählen. Das war dumm.

Ein König wird gefangen genommen:

Was nämlich Philipp und Heinrich zuvor verabredet hatten, gelang, im Grunde  zufällig, dem Österreicher Leopold. Der nahm Richard Löwenherz im Dezember 1192 gefangen, ließ ihn einsperren (-> angeblich auf der Burg Dürnstein/Niederösterreich), um ihn schließlich, gegen Geld, an Heinrich VI. auszuliefern. Heinrich setzte Richard Löwenherz auf der Burg Trifels in der Pfalz fest, und hoffte fortan auf die Realisation seiner horrenden Lösegeldforderung. Die Verhandlungen – bei denen unter anderen Philipp II. August von Frankreich, Leopold V. von Österreich, der spätere König von England, Johann Ohneland (-> König ab 1199), Papst Coelestin III. und Richard Löwenherz siebzigjährige Mutter tüchtig mitmischten – waren allerdings zäh und zogen sich hin.

Langer Rede, kurzer Sinn:

Das Lösegeld (-> es soll sich dabei um 150000 Mark Silber, was, in Tonnage ausgedrückt, etwa 35 t entsprach – aber bitte, wie so oft, stoßen wir auch hier in den Annalen auf widersprüchliche Bewertungen der tatsächlichen Größenordnung) wurde schließlich an Heinrich VI. gezahlt und Richard Löwenherz nach gut vierzehn Monaten, im Februar 1194, aus der Haft entlassen.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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