Warum war Heinrich VI. die Rückkehr Heinrichs des Löwen aus dem Exil halbwegs schnurz?

Das ist in der Tat überraschend. Immerhin hatte Barbarossa Heinrich den Löwen 1182 nach England ins Exil geschickt, wo er auch hätte bleiben müssen. Nochzumal der "Löwe" seiner Zeit einen Eid geschworen hatte, keinesfalls jemals aus der Verbannung zurückzukehren. Aber jetzt, 1189, war ihm der Schwur so etwas, wie Schnee von Gestern. Heinrich dem Löwen schien einfach jetzt die Gelegenheit günstig, wenigstens Teile seines unter Barbarossas Ägide verlustig gegangenen sächsischen Herzogtums zurückzuerbobern.

Und tatsächlich war der Zeitpunkt gut gewählt. Der Welfe traf nämlich auf einen Heinrich VI., dem dessen Rückkehr im Augenblick Jacke wie Hose war.

Warum?

Nun, im November 1189 war der Neffe seiner Gattin Konstanze, König Wilhelm II. von Sizilien (*etwa 1153), mit sechsunddreißig Jahren und kinderlos in Palermo verstorben. Jetzt galt es, Konstanzes Erbansprüche durchzusetzen. Und, weil Heinrich VI. dafür alle Kräfte bündeln musste und den Rücken frei haben wollte, schloss er 1190 in Fulda – nicht ganz selbstlos, aber immerhin – Frieden mit dem „Löwen“, der allerdings wenig später von diesem gebrochen wurde und erst 1194 zu einem endgültigen Ausgleich mit den Welfen führte.

Übrigens:

Der Welfe konnte nach dem Friedensschluss mit Heinrich VI. zwar einen guten Teil seiner Besitzungen behalten, musste aber – durchaus üblich zu der Zeit – einen (-> oder gar zwei, die Quellen widersprechen sich) seiner Söhne, Heinrich (V.), den Älteren von Braunschweig, dem König als Geisel überlassen. Sollten es doch zwei Söhne gewesen sein, soll der Braunschweiger Heinrich von seinem Bruder Lothar begleitet worden sein.

Autor: Manfred Zorn

 

 

Verwandte Beiträge

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige