Was ist eigentlich unter dem „Königreich Sizilien“ zu verstehen?

Das zu erklären bedarf uneingeschränkter Geduld, ist doch die Beschäftigung mit dem Begriff „Königreich Sizilien“ ziemlich komplex. Auch dann noch, wenn an dieser Stelle das Neolithikum (-> Jungsteinzeit, etwa 5000-2000 v. Chr.) die Bronzezeit, griechische Landnahme und die alten Römer außen vor gelassen werden, und die Betrachtung lediglich auf das Mittelalter beschränkt wird. Nun gut, einen Versuch ist´s dennoch wert.

Germanen, Langobarden, Byzantiner & Sarazenen

Beginnen wir mit der Zeit der Völkerwanderung, zu der sich germanische Stämme etwa eineinhalb Jahrhunderte in Süditalien und auf Sizilien tummelten. Von etwa Mitte des 6. Jahrhunderts bis gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde der Süden Italiens von den Byzantinern – und in einigen Ecken (-> Capua, Benevent, Salerno) – gleichzeitig von den Langobarden beherrscht. Dann, so um 827 herum, kamen die Sarazenen, sahen, siegten und blieben über einhundert Jahre in der sonnigen Gegend.

Normannen & Staufer

Es folgten die Normannen, die etwa zwischen den Jahren 1031 bis 1194, besonders stark betrieben von König Roger II. (*1095/°1154), Unteritalien und Sizilien wieder zu einem Staat zusammenführten. Dann, dank glücklicher Fügung und geschickter Heiratspolitik, kamen 1189 die Staufer. Deren Kaiser, Heinrich VI., erbte über seine Frau Konstanze (-> Tochter Rogers II.) das vormals normannische Königreich. Der Stauferkaiser Friedrich II. von Hohenstaufen, Sohn Heinrichs VI., machte sich um die süditalienischen Regionen Sizilien, Kalabrien und Apulien verdient.

Franzosen, Spanier, Österreicher & (wieder) die Franzosen

Mit dem Franzosen Karl I. von Anjou beginnt ab 1266 der Niedergang des Königreichs Sizilien. Und dann? Kurz gesagt, es ging munter weiter. Es gaben sich die Klinke in die Hand: Der Franzose Alfons V. von Aragón und gleichzeitig IV. Alfons von Katalonien (1442), der Spanier Ferdinand II. von Aragón-Kastilien (1504), kurzzeitig die Österreicher (1708), die aber bereits 1735 vom Spanier Karl III. von Bourbon besiegt wurden und diese wiederum von den napoleonischen Franzosen (1806-1815), bis dann das Königreich Sizilien schließlich und endlich 1860 im Zuge der Freiheitskämpfe unter Giuseppe Garibaldi (*1807/°1882) dem Königreich Italien angeschlossen wurde. Eine in der Tat abenteuerliche Geschichte. Vergessen Sie die sizilianische Mafia (-> Cosa Nostra) und überzeugen Sie sich selbst. Reisen Sie mal hin. Es lohnt sich…

Autor: Manfred Zorn

 

 

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