Das Alltagsleben zur Zeit der Staufer – wie sah das aus?

Die Herrschaft der Staufer – beginnend mit der Königswahl Konrads III. im Jahre 1138, endend mit der Enthauptung Konradins (*1252; Enkel Friedrichs II.) durch den Franzosen Karl von Anjou 1268 in Neapel – überdauerte einhundertdreißig Jahre.
Es war die Zeit des Hochmittelalters.
Neben Kaisern, Königen, Herzögen, Fürsten, Land- und Markgrafen lebten, neueren Schätzungen zur Folge, mindestens neunzig Prozent der Bevölkerung sozusagen im mittelalterlichen Prekariat auf dem Lande.
Armut, Mühsal, Plage, Fron und Schinderei bestimmten das missliche Dasein.

 

Arbeitstag

Den gemeinen Menschen des Mittelalters verband gewissermaßen eine Wesensgemeinschaft mit den Hühnern. Mit ihnen stand er auf, mit ihnen ging er schlafen.
Die Zeitdauer des Arbeitstages eines „ackernden Landarbeiters“ richtete sich nach den

  • Jahreszeiten (-> im Sommer länger, im Winter kürzer),
  • der Abhängigkeit von Aussaat bis zur Ernte des jeweiligen Pflanzgutes sowie den
  • unterschiedlichsten Anforderungen an sein Vieh (-> z.B. füttern, melken, schlachten).

 

Speis´ und Trank

Während wir heute durch Literatur, Film und TV sehr viel über die üppig gedeckten Tische der Adeligen wissen, gibt es über den Speiseplan des sogenannten „kleinen Mannes“ nur geringe Aufzeichnungen.
Anzunehmen ist aber, dass dessen Mahlzeiten wesentlich knapper und karger ausfielen.

So waren Brot (-> Roggen, Weizen) und Brei (-> Hafer, Gerste) die Tops der Speisekarte. Was aber nicht heißt, dass nicht auch Fleisch und Fisch gegessen wurde. Nur eben nicht ständig.

Wild – und merkwürdigerweise auch Geflügel – war (fast) ausschließlich der reich gedeckten Tafel der Adeligen vorbehalten.
Gemüse (-> z.B. Kohl, Rüben, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Spinat, Lauch) wurde wenig, allenfalls saisonal, gegessen. Obst kam im Hoch- und Spätmittelalter nur zögerlich auf den Speiseplan (-> der Verzehr von rohen Früchten wurde lange Zeit als ungesund erachtet), Milch, Käse und Eier dagegen fanden reichlich Verwendung.
Salz galt als das „weiße Gold“ des Mittelalters, wurde hoch gehandelt und brachte die sich entwickelnden Städte zu Reichtum.
Gewürze (-> z.B. Zimt, Pfeffer, Ingwer), unter anderem bekannt geworden durch die Kreuzzüge, wurden zum Statussymbol.
Getrunken wurde Wasser, Wein, Bier, Milch, Molke und Most.

 

Geschirr, Besteck und Tischsitten

Geschirr und Besteck wurde vorwiegend aus Holz hergestellt, was sich allerdings im Laufe des 13. Jahrhunderts änderte -> Ton, Zinn, Glas und Metall wurden modern.
Auf dem Bauernhof und in den Handwerkerstuben aßen, sofern nicht jeder einen besaß, alle Familienmitglieder (und ggf. Gäste) gemeinsam mit einem Löffel aus einer Schüssel. Und das war schon vorbildlich, aß man doch im Mittelalter, sogar in vornehmer Gesellschaft, durchaus auch mit den Fingern – was in Ritterfilmen hin und wieder auf eindrucksvolle Weise dargestellt wird.

Schließlich – so um 1200 – wurden seitens des Adels Tischsitten (-> z.B.: Vor dem Essen das Händewaschen nicht zu vergessen, sich nicht am Körper zu kratzen, nicht zu spucken, schmatzen, stopfen, die Zähne nicht mit dem Messer zu reinigen u.a.m.) eingeführt, die mehr und mehr auch von allen Gesellschaftsschichten angenommen wurden.

 

Lebensqualität

Im Unterschied zur arbeitenden Bevölkerung unserer Tage, war Lebensqualität für die Landwirtschaft betreibende Bevölkerung so etwas wie „aufs Innigste zu wünschen“, aber nie – oder nur selten – zu erreichen.

Abhängig von der Beschaffenheit des zu bewirtschaftenden Bodens und des vor Ort herrschenden Klimas, waren die Bauern jeglichem Unbill des Wetters (-> z.B. Trockenheit, Hagel, Dauerregen mit Überschwemmungen), möglicher Tierseuchen (-> z.B. Rinder-, Schweine- oder Geflügelpest, Maul- und Klauenseuche) oder auch einem  Schädlingsbefall (-> z.B. Blatt-, Reb- oder Schildläuse, Kornkäfer, Mehlmotten) ausgeliefert – und das alles ohne Versicherung, aber mit vollem Risiko.

Die arbeitsfreie Zeit, der Abend oder der Sonntag, wurde ausschließlich zum Schlafen genutzt. Bildungs-, Erholungs-, Unterhaltungs- und/oder Urlaubsmöglichkeiten, wie wir sie heute kennen, waren schlichtweg Utopie.
Es gab sie nicht.

 

Wichtige Berufe

Die sich während des Hochmittelalters weiter entwickelnden wichtigsten Berufszweige waren:

Bäcker, Müller, Schmied, Knochenhauer (-> Metzger, Fleischer, Schlachter), Wagner (-> kümmerte sich um Räder, Achsen, Kufen und Speichen von Fahrzeugen), Winzer, Bierbrauer, Steinhauer, Gerber, Sattler, Schneider, Färber und ein paar andere mehr.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Deutsche Geschichte, Teil 2 (Bertelsmann Lexikon Verlag)

 

 

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