Warum kämpften Cherusker und Markomannen gegeneinander?

Weil Marbod (*30 v. Chr./°37 n. Chr.), Heerführer der Markomannen, nicht so wollte, wie es Arminius, Chef der Cherusker (*etwa 17 v. Chr./°21 n. Chr.), gerne gesehen hätte. Nämlich gemeinsam gegen die Römer vorzugehen.

Kopf ab

Der makabre Auslöser des germanischen Bruderkampfes war der abgeschlagene Kopf des zuvor auf tragische Art aus dem Leben geschiedenen römischen Feldherrn Pablius Quinctilius Varus (*um 46 v. Chr./°9 n. Chr.).

Der war mit seinen Legionen auf die Tricks des vermeintlich den Römern gewogenen Arminius/Armin den Cherusker hereingefallen,

  • hatte sich 9 n. Chr. auf den vorgeblich sicheren Weg durch den Teutoburger Wald (ob’s tatsächlich dieser Wald gewesen ist, ist nach wie vor umstritten) gemacht,
  • in der so genannten Varusschlacht (auch: Hermannsschlacht) eine verheerende Niederlage erlitten

und sich daraufhin das Leben genommen.

Danach ist zu vermuten, dass er seinen Kopf erst im Nachhinein – sozusagen „post mortem“ – verloren hat. Nun, ja!

Ein Kopf auf Reisen

Jedenfalls ließ Arminius, der sich in der Folge noch bis etwa 17 n. Chr. beharrlich mit den Römern in den Haaren liegen sollte, die schaurige Trophäe dem Markomannenkönig Marbod überbringen. Sozusagen als Zeichen seines aufrichtigen Werbens für ein gemeinsames Vorgehen beider Stämme gegen Rom. Aber Marbod, der eher dem Imperium Romanum zugeneigt war, missachtete dieses – seitens Arminius durchaus eigennützig gedachte Geschenk – indem er den Kopf umgehend an den römischen Kaiser Augustus (*63 v. Chr./°14 n. Chr.) weiterleitete. Wobei die Frage bleibt: Was hat er, Augustus, mit diesem Geschenk gemacht?

Vergebliche Liebesmüh'

Denn diese „lieb Kind machen“ wollende Masche zog nicht. Rom zeigte Marbod nach wie vor die sprichwörtlich „kalte Schulter“, und zwischen Arminius und Marbod entspann sich in den Jahren darauf ein von Misstrauen, Neid, Animosität und letztlich Feindschaft geprägtes Stechen und Hauen, dem die Römer in stoischer Gelassenheit zusahen.

Und dann, im Frühjahr des Jahres 17 n. Chr. kam es (möglicherweise irgendwo im oder um das Erzgebirge herum?) schließlich zum finalen Zusammentreffen der Cherusker und Markomannen.

Fazit

Trotz für beide Seiten ausgeglichen verlaufender Kampfhandlungen, zog sich Marbod mit seinen Truppen nach Böhmen zurück, wurde wenig später (18 n. Chr.) gestürzt, versuchte es noch einmal, politisch allerdings erfolglos, bei den Römern, ging daraufhin ins Exil nach Ravenna – wo er 37 n. Chr. verstarb.

Arminius verstrickte sich in innergermanische Techtelmechtel, versuchte nach wie vor, mit mäßigem Erfolg, gegen Rom zu stänkern, wurde aber 21 n. Chr. von einem Mordbuben aus seinem persönlichen Umfeld hinterrücks gemeuchelt …

PS

Im Jahre 1842 wurden in der Walhalla bei Regensburg für beide, Arminius und Marbod, je eine Gedenktafel angebracht; Arminius ist darüber hinaus im 1875/76 eingeweihten und 53,5 Meter hohen (die Figur an sich misst stolze 26,6 m) Hermannsdenkmal bei Detmold in Stein und Eisen gemeißelt zu besichtigen.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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