Wer waren die Markomannen?

Wie – unter anderen – die Cherusker, die Sueben (Schwaben), Friesen, Chatten (Hessen), Semnonen (Brandenburg) und -zig Dutzend andere Germanenstämme, werden auch die aus dem Stamm der Sueben hervorgegangenen Markomannen zur „übergeordneten Familie“ der Westgoten gezählt.

 

Woher und wohin

Ursprünglich irgendwo im geografisch anscheinend nicht exakt zu bestimmenden Norden ansässig, sollen sie etwa zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. im Raum südlich des Mains, westlich des Böhmerwaldes (Tschechien) und nördlich der Donau auffällig geworden sein.

Caesar vs Ariovist

Erstmals erwähnt wurden die Markomannen in Julius Caesars (*100/°44 v. Chr.) Aufzeichnungen („Commentarii de Bello Gallico“) über den "Gallischen Krieg" von 58-51/50 v. Chr. Und zwar im Zusammenhang mit dem seinerzeit unvermittelt aus dem Nebel der Geschichte auftauchenden germanischen Heerführer Ariovist, der ihm, Caesar, ziemlichen Ärger bereitet hatte.

Go east!

Gute fünf Jahrzehnte später (9 v. Chr.), das Zentrum des markomannischen Machtanspruchs lag zu der Zeit – so heißt es – in der Maingegend um Mainz herum, stießen die Markomannen auf die geballte Militärmaschinerie

  • des römischen Heerführers Nero Claudius Drusus (*38 v. Chr./°9 v. Chr.),
  • wurden von diesem besiegt,
  • zogen (8-6 v. Chr.) unter ihrem „Fürsten/König“ Marbod (*30 v. Chr./°37 n. Chr.) gen Böhmen
  • und unterwarfen das dort heimische keltische Volk der Boier.

Säbelrasseln

In der darauf folgenden etwa sieben Jahrhunderte dauernden Geschichte der Markomannen, kam es zu diversen militärischen Auseinandersetzungen:

  • 17 n. Chr. im Bruderkrieg mit den Cheruskern unter Arminius „dem Cherusker“ (*um 17 v. Chr./°21 n. Chr.), der – trotz eines quasi unentschiedenen Ausgangs – ungünstig für Marbod, den bis dahin unangefochtenen Heerführer der Markomannen, endete (Marbod wurde 19 n. Chr. entmachtet, ging ins Exil nach Ravenna/Italien und verstarb dort 37 n. Chr.)
  • sowie mehrfach mit den Römern, von denen die drei so genannten Markomannenkriege (166 bis 182 n. Chr.) ganz besonders hervorzuheben sind, da sie von manchen Historikern als durchaus mögliche Vorstufe sowohl der später einsetzenden Völkerwanderung, als auch des schleichend beginnenden Niedergangs des Römischen Reiches betrachtet werden.

Auf eine handvoll weiterer Scharmützel auf römischem Gebiet im Laufe des 4. Jahrhunderts folgten

  • die allmähliche Christianisierung der Markomannen,
  • ein von Bischof Ambrosius von Mailand (*339/°397) in die Wege geleiteter Friedensvertrag mit Rom und – last not least –
  • im Jahre 451 ein Schulterschluss mit Attila dem Hunnenkönig bei dessen Vormarsch gegen Gallien (Schlacht auf den – möglicherweise im Nordosten des heutigen Frankreich gelegenen – "Katalaunischen Feldern").

Vom Winde verweht

Dann, im 7. Jahrhundert verliert sich die Spur der Markomannen. Nicht auszuschließen ist, dass sich die in Böhmen Verbliebenen den nachfolgenden Slawen anglichen, und Nachfahren der seinerzeit südlich der Donau Lebenden  heute – wer weiß? – fest im „blau-weißen“ Bayern verankert sind …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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