Wer war eigentlich Marbod?

Marbod (*etwa 30 v. Chr./°37 n. Chr.) gehörte, antiken Quellen zur Folge, zu den – aus dem germanischen Stamm der Sueben hervorgegangenen und ursprünglich in der Maingegend siedelnden – Markomannen, den so genannten "Grenzmännern" (Mark->Grenzland/Mannen->Männer).

Herkunft und Ausbildung

Angenommen wird, dass Marbod aus gut situierter Familie stammte, offenbar in jungen Jahren in Rom ausgebildet und (möglicherweise) von Kaiser Augustus (*63 v. Chr./°14 n. Chr.) mit der römischen „Staatsbürgerschaft“ ausgestattet wurde.

Erstes germanisches Königreich

In den Geschichtsbüchern wird Marbod als erster germanischer Machthaber/König genannt, dem es gelang, eine Reihe weiterer Stämme (z.B. Semnonen, Langobarden, Hermunduren, Quaden) zu einem Stammesverbund zu vereinen.

Als die Markomannen um 10/9 v. Chr. vom römischen Feldherrn Nero Claudius Drusus (*um 38 v. Chr./°9 v. Chr.) besiegt wurden,

  • führte Marbod den verbliebenen Rest der Mannschaft in die Gegend zwischen Erz-, Riesengebirge und Böhmer-/Bayrischem Wald (im weitesten Sinne also weite Teile Böhmens, Mährens und Schlesiens),
  • unterwarf im Folgenden – weitestgehend friedlich – die weiter oben genannten Nachbarstämme sowie die dort bereits lebenden Kelten,
  • und stellte eine schlagkräftige Streitmacht nach römischem Vorbild auf die Beine.

Römischer Vormarsch, der ins Leere ging

Dass Marbod sich Rom gegenüber politisch durchaus zurückhaltend verhielt, focht das Imperium nicht weiter an. Die wachsende Machtfülle Marbods konnte von den Römern – trotz seines offensichtlichen Wohlverhaltens – schlichtweg nicht hingenommen werden. Also wurde 6 n. Chr., so nach dem Motto: "Wehret den Anfängen", der römische Feldherr und spätere Kaiser Claudius Nero Tiberius (*42 v. Chr./°37 n. Chr.) losgeschickt, um Marbod, dessen Stammesgruppe und -Gebiet dem Römischen Reich einzuverleiben. Hat nicht geklappt!

Tiberius wurde mit seiner Streitmacht dringend anderweitig – es gab Ärger in den römischen Provinzen Pannonia (im Westen Ungarns und Südosten Österreichs gelegen) und Dalmatia (Teile der heutigen Balkanstaaten) – gebraucht.

Vornehme Zurückhaltung Marbods

Wenige Jahre später – Marbod  hatte sich an den Auseinandersetzungen des Cheruskers Arminius (*etwa 17 v. Chr./°21 n. Chr.) mit den Römern, deren  Höhepunkt 9 n. Chr. die so genannte „Schlacht im Teutoburger  Wald“ bildete, nicht beteiligt – kam es zum Bruch der beiden Protagonisten.

Ein abgetrennter Kopf auf Reisen

Eine nicht unwesentliche Rolle soll dabei der abgeschlagene Kopf des römischen Schlachtenverlierers Pablius Quinctilius Varus (*um 46 v. Chr./°9 n. Chr.) gespielt haben. Den hatte Arminius Marbod – vordergründig als Zeichen seiner Wertschätzung – zukommen lassen, was von Letzterem allerdings nicht so recht gewürdigt wurde. Marbod übergab den ihm geschenkten Kopf an Kaiser Augustus in der Hoffnung weiter, damit dessen Wohlwollen zu erreichen – was allerdings vergebene Liebesmüh’ blieb.

Rom zeigte dem strategisch, taktisch sowie in seinem Herrschaftsgebiet durchaus klug und vorausschauend agierenden Marbod sozusagen weiterhin die „kalte Schulter“ und griff auch nicht ein, als es 17 n. Chr. zwischen den beiden Egomanen, Arminius und Marbod, zum offenen Schlagabtausch – Germanen gegen Germanen – kam.

Der Rest ist schnell erzählt

Obwohl dieser Bruderkrieg letztlich mehr oder weniger fifty-fifty ausging, zog sich Marbod, dem inzwischen allerdings die einen oder anderen Gefolgsleute (z.B. Semnonen, Langobarden) „abhanden“ gekommen waren, zurück nach Böhmen.

In der Folge verlor er zusehends an Zustimmung und Macht, so dass ein gewisser K(C)atualda/Katwalda, ein vormals zu den Goten übergelaufener Ex-Markomanne, leichtes Spiel hatte, ihn 18 n. Chr. zu stürzen.

Marbod floh nach Rom, bat um Asyl, ging – mit Billigung Kaiser Tiberius’ – 19 n. Chr. ins Exil nach Ravenna (Emilia-Romagna/Italien) und verstarb dort 37 n. Chr.

PS

Im Jahre 1842 wurden in der Walhalla bei Regensburg – sowohl für Marbod, als auch für Arminius – je eine Gedenktafel angebracht; Arminius ist darüber hinaus im 1875/76 eingeweihten und 53,5 Meter hohen (die Figur an sich misst stolze 26,6 m) Hermannsdenkmal bei Detmold in Stein und Eisen gemeißelt zu besichtigen ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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