Markomannenkriege – was ist darunter zu verstehen?

Mit dem Begriff „Markomannenkriege“ werden die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen in den Jahren 166 bis 180 n. Chr. bezeichnet.

Voraus geschickt

Etwa zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. war das Römische Reich auf dem Zenit seiner Macht und seiner geografischen Ausdehnung.

Um hier nur einen kurzen Bogen zu spannen

Die größte Ausweitung des Römischen Reiches umfasste in etwa die Jahre 98 bis 117 n. Chr. und erstreckte sich (unter anderem) von Britannien, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, den Gegenden westlich des Rheins und südlich der Donau, der Schweiz und der Iberischen Halbinsel über Österreich, Ungarn, weite Teile der Balkanhalbinsel, Griechenland, Zypern und die Türkei bis hin zu den Maghreb-Staaten Marokko, Algerien, Libyen und Tunesien sowie Ägypten bis nach Syrien.

Dieses gewaltige Imperium hieß es zu verwalten und – last but not least – zu verteidigen. In den Jahren der so genannten Markomannenkriege fiel diese Mammutaufgabe dem zu der Zeit (ab 161) amtierenden römischen "Philosophen"-Kaiser Marc Aurel (*121/°180) zu.

Warum, weshalb und wieso die Kriege begannen

Auslöser dieser bewaffneten Konflikte soll – so wird vermutet – das Vordringen der Goten und Vandalen in Richtung mittlerer Donau (heute: Gebiete Tschechiens, Ungarns, Rumäniens) und die damit einhergehende Verdrängung der dort ansässigen Germanenstämme (u.a. Langobarden, Markomannen, Quaden) mit dem daraufhin entstandenen Kurs auf die Grenzen der römischen Supermacht gewesen sein. Dem musste dringend Einhalt geboten werden!

Allerdings ging das nicht unmittelbar. Abzuwarten war erst einmal die Rückkehr der unter Marc Aurels Co-Kaiser Lucius Aurelius Verus (*130/°169) in den Partherkrieg (Parther -> Persien/Mesopotamien) verwickelten Truppen.

1. Markomannenkrieg

Dann, 166, konnte es – trotz der gleichzeitig im Reich grassierenden Pest – losgehen. Aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Neun Jahre folgte Offensive auf Gegenoffensive, bis es 175 zu einem trügerischen Waffenstillstand kam.

Exkurs

An trügerischen Vereinbarungen dieser Art haben auch die bis heute über 1800 vergangenen Jahre offensichtlich nichts geändert. Denn verblüffend ähnlich verhält es sich heute mit dem 2. Minsker Abkommen vom Februar 2015 die Ost-Ukraine betreffend, oder mit der auf der Münchner Sicherheitskonferenz vom Februar 2016 verabredeten Waffenruhe für Syrien.

2. Markomannenkrieg

Bereits 177 flackerten die Feindseligkeiten erneut auf, woraufhin Marc Aurel, gemeinsam mit seinem Sohn und Mitkaiser Lucius Aurelius Commodus (*161/°192), die Markomannen und Quaden ein Jahr später, 178, – (wahrscheinlich) irgendwo in der heutigen Slowakei  – in einen länger anhaltenden Waffengang zwang, der schließlich und endlich 180 in einem Friedensabkommen endete.

Den hat Marc Aurel allerdings nicht mehr erlebt. Er war zuvor, im Frühjahr des Jahres, verstorben.

3. Markomannenkrieg

Marc Aurels Sohn und Nachfolger Commodus schlug sich noch bis 182 mit den Germanen herum (oft auch als 3. Markomannenkrieg bezeichnet), fiel danach im Wesentlichen aber lediglich durch seine exaltierte und selbstherrliche Herrschaftsführung auf und fand schließlich 192 sein Ende durch Mörderhand.

Wie es heißt, soll sein Lebenslicht in der Badewanne mittels kräftigen Handanlegens an seinen Hals ausgeblasen worden sein. Na, ja …

PS

Alles in allem waren die insgesamt gut sechzehn Jahre Krieg gegen die Germanen für Rom eine beschwerliche und anstrengende Angelegenheit. Sozusagen eine Kostprobe dessen, was da in den kommenden gut drei Jahrhunderten noch auf das Imperium Romanum zukommen sollte – bewaffnete Konflikte mit Franken und Alemannen (286-291), in Britannien und Ägypten (290-296), mit den Goten (315) und Hunnen (375), Teilung des Reiches in Ost- und Westrom (395), Plünderungen Roms (durch die Westgoten 410 und die Vandalen 455) und schließlich 476 das Ende des (West-)Römischen Reiches durch den germanischen Feldherrn und nachmaligen König von Italien Odoaker (*um 433/°493) …

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige