Warum haben die Vandalen eigentlich so einen schlechten Ruf?

Weil ein gewisser Henri-Baptiste Grégoire (*1750/°1831), Bischof von Blois, im Zuge der Französischen Revolution (1789 bis 1799) den Ausdruck „Vandalismus“ prägte.

 

Ein "hinkender" Vergleich und seine Auswirkung

Dabei verglich der Bischof ungefiltert die Schreckensherrschaft der Jakobiner mit der angeblich besonders brutalen, rücksichtslosen und über Leichen gehenden Plünderung Roms 455 durch die Vandalen.

Seither gilt der Begriff als Synonym für vorsätzliche Zerstörung und/oder Beschädigung von Sachen oder Gebäuden nach dem Motto „sie hausten wie die Vandalen“. Eine Redewendung, die den schlechten Ruf der ostgermanischen Stammesgemeinschaft der Vandalen unverdientermaßen noch heute bestimmt.

Ausschließlich nur Banausen? Eher nicht!

Aber: Obwohl die Vandalen – einschließlich ihres listigen, machtbewussten und fraglos auch zu brutalen Handlungen neigenden Königs Geiserich (*389/°477) – im Umgang mit den Gegnern ganz gewiss nicht zimperlich gewesen sein mögen, lassen sich nach neueren Erkenntnissen dennoch keinerlei „barbarische“ Zerstörungen von (zum Beispiel) Kunstwerken und ähnlichem mehr nachweisen.

Im Gegenteil! Denn bekannt ist inzwischen ebenfalls, dass die Vandalen durchaus „pfleglich“ mit ihrer Beute umgingen und auch keineswegs barbarisch gemordet und wahllos geplündert haben. Der auf den weiter oben genannten Bischof zurückzuführende Begriff „Vandalismus“ scheint demnach letztlich zwar unzutreffend zu sein, wird aber wohl trotzdem für alle Zeit an den Vandalen hängen bleiben. Oder vielleicht doch nicht? Wer weiß …?

Autor: Manfred Zorn

 

 

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