Wer war eigentlich Geiserich?

Geiserich (*389/°477) wurde 428, da hielt sich die aus dem Weichselgebiet/Polen auf „Tour“ gegangene ostgermanische Stammesgemeinschaft der Vandalen bereits seit fast zwei Jahrzehnten in Spanien auf, sowohl König („rex Vandalorum et Alanorum“) der Vandalen als auch des nichtgermanischen (iranischen) Volkes der Alanen.

Vorausgegangen war dieser „Thronbesteigung“ die Ermordung des Halbbruders. Und vorbeugend, um seine Herrschaft adäquat abzusichern, ließ Geiserich kurz darauf auch gleich die gesamte Familie des Getöteten meucheln.

Auf zu neuen Ufern

Da die Vandalen und Alanen schon seit längerem – wenig erfolgreich – mit den auf der Iberischen Halbinsel agierenden Westgoten im Clinch lagen, entschieden sie 428/429, sich erneut auf Achse zu machen.

Ein langer Weg, letztlich aber doch angekommen

Unter Führung ihres königlichen Stammesoberhauptes Geiserich sollen sie mit Mann und Maus – in der Summe, wie es heißt, round about achtzigtausend Menschen mit ihrem Hab und Gut, darunter Krieger (zu Fuß und zu Pferd), Frauen, Kinder und Alte – per Schiff

  • die Straße von Gibraltar Richtung afrikanischem Kontinent überquert,
  • in den Folgejahren peu á peu Nordafrika (die heutigen Maghrebstaaten Marokko, Algerien, Tunesien) durchzogen sowie
  • schließlich 439 Karthago – seinerzeit die zweitgrößte Stadt des Römischen Reiches – erobert und zu ihrer Metropole gemacht haben.

Entfaltung und Expansion

In den darauf folgenden Jahren wuchs das Vandalenreich unter Geiserich nicht nur zu einer respektablen Seemacht, sondern konnte sich darüber hinaus als ein erstes unabhängiges  germanisches Königreich etablieren, das sogar 442 vom römischen Kaiser Valentinian III. (*419/°455) anerkannt wurde. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung umfasste das Vandalenreich sowohl die nordafrikanischen Landesteile als auch Sardinien, Korsika, Sizilien und die Balearen, und spielte alles in allem über gute einhundert Jahre eine maßgebende Rolle.

Shit happens

Dann geschah Unvorhergesehenes. So, wie es sich darzustellen scheint, ging es dabei um eine verwirrende Heiratspolitik sowie zwei, drei Morde. Die Protagonisten der Handlung waren – unter anderen –

  • die Tochter Valentinians,
  • der Sohn und potentielle Nachfolger Geiserichs,
  • ein gewisser römischer Heerführer namens Flavius Aétius (*um 390/°ermordet 454),
  • Licinia Eudoxia, die Gattin Valentinians und
  • der römische Senator, Konsul und Usurpator Petronius Maximus (*396/°gemeuchelt 455).

Als dann auch noch zu Beginn des Jahres 455 Kaiser Valentinian von Parteigängern des guten Aétius erschlagen und wenig später dessen kurzzeitiger Nachfolger Petronius Maximus von wütenden Römern getötet wurden, machte sich Geiserich im Sommer des Jahres 455 auf nach Rom.

Die "Plünderung Roms"

Einige Tage lang wurde die Stadt belagert, dann soll Geiserich sie angeblich mit seiner Soldateska aufs Fürchterlichste („sie hausten wie die Vandalen“) geplündert haben. In Wirklichkeit soll die Einnahme Rom allerdings nicht so barbarisch, brutal und zerstörungswütig stattgefunden haben, wie es der im Zuge der Französischen Revolution geprägte Ausdruck "Vandalismus" vermuten lässt.

Zum guten Schluss

Nach dieser für Geiserich erfolgreich verlaufenden Aktion, gehörten Auseinandersetzungen mit West- und Ostrom weiterhin sozusagen zum Alltag. Tatsächlich gelang es Geiserich aber (unter anderem in den Jahren 460, 468 und 472) jeglichen Waffengang für sich zu entscheiden und – bevor er im Januar 477 in Karthago verstarb – 474 vom (ost)römischen Kaiser Zenon (Regierungszeit von 474 bis °491) einen Anerkennungsvertrag seines karthagischen Reiches auch für seine Nachkommen zu schließen ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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