Woher kamen die Vandalen – und was wurde aus ihnen?

Aller Wahrscheinlichkeit nach in der Gegend des Weichselgebiets/Polen beheimatet, begannen etwa zu Beginn des 5. Jahrhunderts die erstaunlichen und eindringlich ins Auge fallenden „Reise-/Wanderaktivitäten“ des – aus mannigfaltigen Stämmen zusammen gewürfelten – ostgermanischen Volkes der Vandalen.

 

Quo vadis

Die Vandalen, so ist anzunehmen, wurden möglicherweise von ihren Nachbarn, den Goten, aus ihrem Siedlungsgebiet verdrängt. Letzteren wiederum war von den etwa seit 375 ins Land eingefallenen Hunnen der sprichwörtliche „Stuhl vor die Tür gesetzt“ worden. Gemeinsam, sowohl mit germanischen (Sueben) als auch nichtgermanischen (Alanen) Stämmen,

  • überquerten die Vandalen 406/407 den Rhein,
  • marschierten 409 über Gallien nach Spanien,
  • ließen sich dort eine Zeitlang nieder,
  • gerieten allerdings zwischen 415 bis 418 in heftige und verlustreiche Auseinandersetzungen mit den Westgoten.

Grund genug also, sich ab 429 erneut auf Achse zu machen. Die einen zog es auf die Balearen, die anderen, und mit diesen König Geiserich, nach Nordafrika.

Eroberungen und Expansion

Schlussendlich, nach längeren Wanderjahren, eroberten die Vandalen 439 unter ihrem König Geiserich (*um 389/°477) die römische Provinz „Africa“. Das waren im Wesentlichen die Gegenden des heutigen nördlichen Tunesiens und umfasste Teile Algeriens und Libyens. Auf ihrem weiteren Vormarsch "kaperten" die Vandalen Karthago und machten die Stadt zur Metropole ihres in der Folge mächtig wachsenden Territoriums, das zur Zeit seiner größten Ausdehnung neben den Nordafrikanischen Landesteilen, auch die Inselgruppe der Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien einschloss.

Erstes und einziges germanisches Königreich

Unter dem Vandalenkönig Geiserich wuchs das Reich nicht nur zu einer respektablen Seemacht, sondern konnte sich darüber hinaus – 442 sogar vom römischen Kaiser Valentinian III. (*419/°455 - von Finsterlingen gemeuchelt) legitimiert – als ein erstes unabhängiges germanisches Königreich auf römischem Terrain etablieren.

Die "Plünderung Roms"

Als dann in der ersten Hälfte des Jahres 455 sowohl Valentinian, als auch dessen kurzzeitiger Nachfolger, der römische Senator, Konsul und Usurpator Petronius Maximus (*396/°455 von aufgebrachten Bürgern getötet) das Zeitliche gesegnet hatten, machte sich Geiserich im Sommer des Jahres 455 auf nach Rom, belagerte die Stadt einige Tage lang – und soll sie anschließend mit seiner Soldateska angeblich aufs Fürchterlichste („sie hausten wie die Vandalen“) geplündert haben.

Andauernde Scharmützel

Nach dieser für Geiserich erfolgreich verlaufenden Aktion, gehörten Auseinandersetzungen mit West- und Ostrom weiterhin sozusagen zum Alltag. Tatsächlich gelang es den Vandalen aber – unter anderem in den Jahren 460, 468 und 472 – jeglichen Waffengang für sich zu entscheiden.

Ein letztes Schnäppchen, der Tod Geiserichs und das Ende der Vandalen

Drei Jahre vor seinem Tod (477) schloss Geiserich (474) mit dem oströmischen Kaiser Zenon (Regierungszeit von 474 bis °491) einen Vertrag, der auch seinen Nachkommen die ultimative römische Anerkennung des karthagischen Reiches sichern sollte – was sich allerdings nicht von langer Dauer erwies. Nach weiteren fünf Königen und permanenten Konflikten mit Ostrom (Byzanz), wurde das Vandalenreich 533/534 endgültig durch den oströmischen Kaiser Justinian I. (*um 482/°565) zerschlagen und ins Byzantinische Reich eingegliedert. Gelimer, der letzte Vandalenkönig, starb 553 im Exil.

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige