Was haben die Langobarden mit der Völkerwanderung zu tun?

Wenn man so will: Auf den ersten Blick wenig! Bis auf das Jahr 568 n. Chr. Das war das Jahr, in dem die Langobarden in Italien einfielen. In der Geschichtsschreibung wird – aha! – an diesem Datum sowohl das Ende der Völkerwanderung, als auch gleichzeitig der Übergang von der (Spät-) Antike zum (Früh-)Mittelalter festgemacht.

Aus der Kälte Skandinaviens ...

Die Langobarden („Langbärte“??) waren ein (vermutlich) aus Skandinavien stammender germanischer Volksstamm. Etwa um Christi Geburt herum siedelten sie im heutigen Nord- und Ostdeutschland, wanderten weiter nach Süden, wurden um die Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert vorübergehend in Pannonien (heute: Westungarn) sesshaft, entschieden aber, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss sein konnte.

... in den wärmeren Süden

Wieder zogen sie weiter, fielen um 568 in Italien ein und gründeten in der – später nach ihnen benannten – Lombardei (Oberitalien) unter ihrem König Alboin (*um 526/°573?) ihr gut zweihundert Jahre bestehendes Königreich mit der Hauptstadt Pavia.

Expansion

Während des 7. und 8. Jahrhunderts und Pi mal Daumen rund vier-/fünfundzwanzig Herrschern, von denen – um nur einige wenige zu nennen – außer dem gen. Alboin, Agilulf (König: 590-615), Cunincpert (König: 688-700), Liutprand (König: 712-744) und Desiderius (letzter König: 757-774) die auffälligsten waren, nutzten die Langobarden jede passende Gelegenheit, um auch noch die von ihren Eroberungen bisher verschont gebliebenen letzten byzantinischen Gebiete Mittel- und Süditaliens in ihren Besitz zu bringen.

Irgendwann ist's genug

Diese unablässigen Machtansprüche, aber auch die religiösen Konflikte – die Langobarden waren so genannte Arianer (Arianismus) – mit den jeweils amtierenden Päpsten, brachte letztlich auch die Franken gegen sie auf. Als König Desiderius in den frühen Siebzigern des 8. Jahrhunderts dann auch noch die Dreistigkeit besaß, einen Teil der Ländereien Papst Hadrians I. (Papst von 772-795) zu okkupieren, war Schluss mit Lustig.

Karl soll's richten

Hadrian rief Karl den Großen (*um 747/°814) – der sich einerseits der „Pippinischen Schenkung“ verpflichtet fühlte, andererseits allerdings auch die günstige Möglichkeit sah, sich das Reich der Langobarden einzuverleiben – zur Hilfe.

Der kam 773, sah, siegte 774 bei Pavia, steckte Desiderius mit Familie kurzerhand ins Kloster Corbie (Nordfrankreich), nannte sich fortan König der Franken und Langobarden, und besiegelte so das Ende des Langobardenreiches (bis auf die süditalienischen langobardischen Herzogtümer, die erst im 11. Jahrhundert von den Normannen erobert wurden).

Autor: Manfred Zorn

 

 

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