Wer war Theoderich I. der Große?

Theoderich I. der Große (*plus-minus 454/°526) gilt als populärster und bedeutendster der Germanen, genauer: der Ostgoten aus dem Herrschergeschlecht der so genannten Amaler.

Erster Erfolg – mit brutalem Ausgang

Als Geisel in Ostrom/Konstantinopel aufgewachsen und mit guter Bildung ausgestattet, soll er bereits mit etwa Zwanzig von sich Reden gemacht haben, indem er mit einer unerschrockenen Schar Krieger von Pannonien (Westungarn) aus in das Reich der Sarmaten (iranische Reitervölker) – wahrscheinlich bei Belgrad/Serbien – eindrang und dem dortigen König Babai samt Familie den Garaus machte.

Der Karrierist

Anschließend kehrte er zurück nach Pannonien, ging von dort nach Makedonien, dann zurück an die Donau, gelangte als hoher Militärführer im oströmischen Heer auf dem Balkan zu Ehren und wurde – last but not least – von Zenon (ost-römischer Kaiser von 474-491) zum Konsul und wenig später zum engsten Vertrauten (Patricius) ernannt.

Der lange Weg zum "Rex"

Im Jahr 488 begannen, mit Rückendeckung und einer ins Auge gefassten Überlassung Italiens an Theoderich seitens Kaiser Zenons, die etwa fünf Jahre andauernden, mitunter auch kriegerischen, Auseinandersetzungen mit dem (west)-römischen Heerführer und „Rex“ (alleiniger Befehlshaber mit „besonderer Befehls- und Verfügungsgewalt“) Odoaker (*um 430-433/°493).

Der unterlag dann allerdings 489 seinem Kontrahenten Theoderich am Fluss Isonzo (irgendwo) im Nordosten Italiens – was aber nicht ausschloss, dass beider Machtkampf vier weitere Jahre andauerte; aber letztlich (493) durch das Schwert Theoderichs beendet wurde.

Was folgte, waren dreiunddreißig Jahre Herrschaft in/über Italien. Nicht als König, sondern – wie auch schon sein früherer Erzfeind Odoaker - als so genannter „Rex“.

Laissez-faire

Theoderich zeigte sich tolerant in Religionsfragen, teilte die Regierung fifty-fifty mit dem römischen Senat, bemühte sich um Kontinuität in der Provinzialverwaltung, vermied Konflikte mit den byzantinisch-oströmischen (ihm formal „vorgesetzten“) Herrschern in Konstantinopel, bemühte sich um Gerechtigkeit in der Gerichtsbarkeit, übte sich als Bauherr und Restaurator, bemühte sich um stabile Verhältnisse mit den Nachbarn und versuchte, weitere Germanenstämme unter seinen „Fittichen“ zu vereinen.

Kurz und gut: Theoderichs Regentschaft war weitestgehend geprägt durch die Maxime: Ruhe halten.

Palastrevolution, plötzlicher Tod und eine miserable Nachfolgeregelung

Damit war in den letzten Jahren seiner Vormachtstellung allerdings Schluss. In Ravenna, der Residenz Theoderichs, kam es zu Machtkämpfen zwischen pro- und anti-oströmischen Parteigängern. Schwungvoll und entschlossen wurde konspiriert, integriert, verdächtigt, gedroht, politisiert und „religionisiert“.

Und dann verstarb Theoderich I. der Große 526. Möglicherweise an einem tückischen Fieber. In der nach seinem Tod entstandenen Planlosigkeit potentieller Nachfolger, behielt zu guter Letzt der oströmische Kaiser Justinian I. (*482/°565), der sich nach Kräften für eine Runderneuerung des Römischen Reiches (allerdings ohne Gallien und Spanien) stark machte, die Oberhand, und mit den Ostgoten ging es zunehmend bergab.

Trauriges Fazit

In der Schlacht am Mons Lactarius (bei Neapel/Italien) 552 fiel der letzte ostgotische König (Teja). Die Mehrzahl der Überlebenden unterwarfen sich den Römern und wurden assimiliert; andere übten sich nimmermüde bis 562 im (aussichtslosen) Widerstand, und wieder andere fanden Aufnahme bei Franken und Langobarden.

Damit war es aus mit den Ostgoten.

Das Mausoleum Theoderichs in Ravenna

Allerdings ist das – 520 von Theoderich in Auftrag gegebene – Mausoleum noch heute in Ravenna (Emilia-Romagna/Italien) erhalten geblieben, wurde 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und kann, wenn man denn möchte, besichtigt werden.

Zum Zeitpunkt des Dahinscheidens Theoderichs (526), soll das Bauwerk noch nicht fertig gestellt gewesen sein. Ob also seine sterblichen Überreste tatsächlich dorthin verbracht wurden, bleibt umstritten. Und, wenn es doch so gewesen sein sollte, gibt es noch die andere Version, nach der sie – die Gebeine – später (561) vom byzantinischen Kaiser Justinian I. (*um 482/°565) aus dem Mausoleum entfernt, und der ursprünglich als Grabmal gedachte Bau zur orthodoxen Kirche umfunktioniert worden sein sollen.

Wie auch immer es sich wirklich zugetragen haben mag, ein Abstecher – zum Beispiel – vom „Teutonengrill“ Rimini nach Ravenna lohnt sich allemal …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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