Wer vertrieb die Ost- und Westgoten woher und wohin?

Das waren die Hunnen. Obwohl deren Herkunft, Name und der Grund ihres Vordringens nach West- und Mitteleuropa bis heute nicht eindeutig geklärt sind, scheint der Mix unterschiedlichster Stämme – wie Kai aus der Kiste – wahrscheinlich aus den Steppen Zentralasiens gekommen zu sein.

Auslöser der Völkerwanderung

Etwa um 375 n. Chr. drängten die Hunnen ins Schwarzmeer-Gebiet, unterwarfen die dort ansässigen Ostgoten und lösten damit die von 357-568 an dauernde Völkerwanderung aus.

Während die Ostgoten nun in überwiegender Zahl den Club der Steppenkrieger komplettierten, flohen einige andere zu den Westgoten, die vor den weiter ziehenden Reiterhorden wiederum Schutz in der römischen Provinz Thrakien (heute: Bulgarien, Griechenland, Türkei) gesucht hatten.

Schlacht bei Adrianopel

Da das nach Meinung der Westgoten mit dem Schutz seitens der Römer allerdings nicht so weit her gewesen zu sein scheint, wurde dieser Konflikt 378 – wie auch sonst – in der Schlacht bei Adrianopel (heute: Edirne/Türkei) militärisch ausgetragen. Während die Römer in diesem Waffengang erhebliche Verluste hinnehmen mussten und – unter vielen anderen – auch ihr Heerführer Kaiser Valens (*328/378) sein Leben auf dem Schlachtfeld verlor, zogen die siegreichen Westgoten unverdrossen weiter.

"Atemlos" durch halb Europa

Über Griechenland und durch den Balkan „wandernd“, erreichten sie 401 Italien, plünderten 410 unter ihrem Heerführer Alarich (*370/°410) Rom, durchstreiften Gallien (Frankreich), ließen sich schließlich in Spanien nieder, kämpften 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (Nordfrankreich) auf Seiten des weströmischen Feldherrn Aetius (*um 390/°454) gegen die Hunnen sowie die mit diesen verbündeten Ostgoten und errichteten in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts unter ihrem König Eurich (*um 440/°484) auf der Iberischen Halbinsel ein in seiner Ausdehnung bedeutendes Reich – das Westgotenreich.

Dort wurden sie im 8. Jahrhundert n. Chr. knappe zweihundertdreißig Jahre später (711) von den muslimischen Mauren besiegt und verdrängt.

Und die Ostgoten? Was wurde aus denen?

Nachdem die Hunnen wenige Jahre nach Attilas Tod (453) ebenso plötzlich verschwanden wie sie aufgetaucht waren, siedelten die Ostgoten in Pannonien (Westungarn) und bauten unter dem ostgotischen König Theoderich dem Großen (*um 454/°526) ein beachtliches – mit der Hauptstadt Ravenna von 493 bis 553 bestehendes und weitestgehend friedfertiges – ostgotisches Reich auf.

Wer zuletzt lacht ...

In der nach Theoderichs Tod entstandenen Planlosigkeit potentieller Nachfolger, behielt zu guter Letzt der oströmische Kaiser Justinian I. (*482/°565), der sich nach Kräften für eine Runderneuerung des Römischen Reiches (allerdings ohne Gallien und Spanien) stark machte, die Oberhand.

Das Ende

Mit den Ostgoten ging es zunehmend bergab. In der Schlacht am Mons Lactarius (bei Neapel/Italien) 552 fiel der letzte ostgotische König (Teja), die meisten Überlebenden unterwarfen sich den Römern und wurden assimiliert, andere übten sich nimmermüde bis 562 im (aussichtslosen) Widerstand, wieder andere fanden Aufnahme bei Franken und Langobarden. Tja, das war’s dann mit den Ostgoten …

Autor: Manfred Zorn

 

 

Verwandte Beiträge

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige