Was ist unter dem Begriff Thing zu verstehen?

Eine grundsätzlich im Freien, an landschaftlich repräsentativer sowie für jeden Teilnehmer gut zu erreichenden Stelle angelegte Versammlungs-, Gerichts- und Kultstätte der „alten“ Germanen.

 

Hier trafen sich regelmäßig (Zeitmesser: die Mondphasen), aber durchaus auch außerplanmäßig, wenn zum Beispiel bevorstehende kriegerische Auseinandersetzungen zu erwarten waren, die freien und waffenfähigen Männer,

  • wählten – wenn erforderlich – ihr Oberhaupt (oder setzten den amtierenden Vorsitzenden ab),
  • klärten Streitigkeiten zwischen Sippen, Dorfgemeinschaften und/oder Stämmen,
  • richteten (nachdem die Delinquenten „thing“- bzw. „ding“fest gemacht waren) über Verrat, Ehebruch, Viehdiebstahl, Frauenraub und anderes mehr,
  • tauschten in „frühdemokratischer“ Manier Meinungen über dies und das aus,
  • legten Aussaat- und Erntezeiten fest und

stimmten über die Aufnahme neuer Thingmitglieder ab.

Anmerkung

Die Thingversammlungen waren eine unabdingbare und ernst zu nehmende Pflichtveranstaltung, an der die daran Beteiligten prinzipiell – und mit  ihren Waffen – teilzunehmen hatten.

PS

In Skandinavien und Island steht der Begriff „Thing“ auch heute noch für „Reichstag/Parlament“ und/oder „Volksgerichtsversammlung“.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: Die ersten Deutschen (S. Fischer-Fabian / Droemer Knaur Verlag)
Deutsche Geschichte für Dummies (Christian v. Ditfurth / Wiley-VCH Verlag)

 

 

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