Wie sahen die Germanen aus?

Da die Germanen außer Runen (das sind im Wesentlichen – den Forschern immer noch Rätsel aufgebende – geritzte Schriftzeichen auf Steinmonumenten) nichts Schriftliches über sich selbst hinterlassen haben, stammt das Wissen über sie weitestgehend aus der Aufarbeitung einer Vielzahl archäologischer Funde sowie aus Schriften antiker Autoren.

 

Die umfangreichsten Berichte über Lebensweise, Aussehen und Rituale der Germanen stammen –  neben denen des griechischen Gelehrten Poseidonios (*135 v. Chr./°51 v. Chr.) und des aus der römischen Geschichte und den Asterix-Heften wohlbekannten Politikers, Feldherrn und „Mannes der Feder“ Gaius Iulius Caesar (*100 v. Chr./°44 v. Chr.) – vom römischen Senator und Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus (*58/°120 n. Chr.).

Danach werden die Germanen (die nie ein Volk im herkömmlichen Sinne waren, sondern vielmehr als ein Konglomerat uneinheitlichster Familienclans zu betrachten sind, sich aber gelegentlich, wenn zum Beispiel kriegerische Auseinandersetzungen es erforderten, durchaus zu größeren Einheiten verbündeten) als groß, kräftig, kämpferisch, aber auch als rau und in ihren Sitten und Gebräuchen als nicht zimperlich dargestellt.

Dieses Bild hat sich über die nachfolgenden Jahrhunderte, ja, sogar noch bis ins 19. und 20. Jahrhundert hinein ergänzt.

So wurden in Gemälden, Denkmälern, Bildhauereien sowie, beispielsweise, in Richard Wagners (*1813/°1883) vierteiligem Opernzyklus „Der Ring der Nibelungen“ unter anderem Attribute wie der Rauschebart, die Keule, wallendes wildlockiges Haar (natürlich blond), Hörner auf behelmtem Kopf und Wildschweinbraten am Spieß hinzugefügt.

Aber inzwischen relativieren die zahlreichen Skelett- und Moorleichenfunde die Größenangaben und anderes mehr des guten Tacitus.

Demnach soll es der gemeine Germane

  • durchschnittlich auf 1,72 Meter und etwa fünfunddreißig Lebensjahre gebracht haben,
  • die Sache mit den Frisuren und der Barttracht war – so wird angenommen – schon damals der Mode unterworfen,
  • säuberlich gegerbte Felle dienten dem Schutz vor Kälte,
  • Hörner auf dem Kopf wurden bisher nicht nachgewiesen und
  • permanentes Wildschweinbratenessen

lässt mehr an die 1959 entstandene Asterix-Comicserie denken, an deren Ende der dicke Obelix mit seinem Hinkelstein – sozusagen als Running Gag – seiner Vorliebe für Wildschweinbraten Ausdruck verleiht.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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