Von wem stammen die Begriffe Germanen und Germanien?

Obwohl es sich letztlich bis heute nicht mit einhundertprozentiger Sicherheit sagen lässt, soll es, allen relevanten Quellen zur Folge, wahrscheinlich der in Syrien geborene griechische Gelehrte Poseidonios (*135 v. Chr./°51 v. Chr.) gewesen sein, der den Begriff „Germanen“ („germanoi“) erstmalig in einem seiner umfangreichen Werke etwa um 80 v. Chr. herum in Bezug auf das Erscheinungsbild und die Essgewohnheiten der zu seiner Zeit bekannten nördlichen Volksstämme erwähnte.

Caesar als erstere Berichterstatter

Verbreitung fanden die Begriffe „Germanen“ und das Land, in dem sie lebten („Germania/Germanien“), dann durch Julius Caesars (*100 v. Chr./°44 v. Chr.) Abhandlung über den so genannten Gallischen Krieg der Jahre 58 bis 51/50 v. Chr. Obwohl Caesar in seiner Betrachtung unter Germania/Germanien lediglich die rechtsrheinischen Gebiete Mitteleuropas zu verstehen schien, fanden diese Begriffe in der Folgezeit allerdings auch für die römischen Provinzen:

  • „Germania inferior“ mit der Stadt Köln (lat.: „Colonia Claudia Ara Agrippinensium/Colonia Agrippina“) und
  • „Germania superior“ mit der Stadt Mainz (lat. „Mogontiacum/ Moguntiacum“)

Anwendung.

Tacitus schreibt "Germania"

Und dann ist da noch das vermutlich um 98 n. Chr. entstandene dreiteilige Werk des römischen Geschichtsschreibers Publius Cornelius Tacitus (*58/°120 n. Chr.) mit dem Titel „Germania“, in dem der Historiker versucht, der jenseits der Grenzen des Römischen Reiches lebenden Bevölkerung (von den Römern landläufig als Barbaren bezeichnet) ein Gesicht zu geben.

Den Erkenntnissen seiner Zeit entsprechend, befasst Tacitus sich in seiner Studie mit der geografischen Lage Germaniens sowie des Ursprungs der Germanen. Und er beschreibt darin ausführlich ihren Lebensstil, die Sitten und Gebräuche, wie – zum Beispiel – Religion, Rechtswesen und Kriegsführung bis hin zu Speis’ und Trank, der Art des Wohnens, wie sie sich kleideten und lässt sogar Ansichten über germanische Ehegepflogenheiten nicht aus.

PS

Im Mittelalter wurde aus „Germania“ dann die Bezeichnung für Deutschland und aus dem Wort „Germanien“ wurde im Englischen „german“ („deutsch“).

Im Französischen ist das Wort für Deutschland („Allemagne“) zurückzuführen auf den – so wird vermutet – erstmals im 3. Jahrhundert n. Chr. unter diesem Namen erwähnten Westgermanischen Stamm der Alemannen.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: Die ersten Deutschen (S. Fischer-Fabian / Droemer Knaur Verlag)
Duden - Das große Buch der Allgemeinbildung (Dudenverlag Mannheim, Wien, Zürich)

 

 

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