Hatten die Germanen eigentlich Vorfahren?

Könnte man so sagen. Es ist in der Tat (fast) wie in der Geschichte vom „Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“. Irgendjemand ist immer schon vor einem da.

Hasen, Igel, Megalithkultur, Indoeuropäer und Germanen

Ist es in der Fabel das listige Igelpaar, das den armen Hasen mit dem Spruch „Ick bün all hier“ überrascht; waren es in der Geschichte, archäologischer und linguistischer Wissenschaft zur Folge, vermutlich die Menschen der Megalithkultur (altgriech.: „megas“/“groß“; „lithos/“Stein“), gefolgt von den Indoeuropäern (Indogermanen), die beide bereits dort waren, wo die Germanen später, etwa zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. in Nord- und Mitteleuropa, aus dem Nebel der (Vor-)Geschichte auftauchten.

Wer die Initiatoren der Megalithkultur, deren Hinterlassenschaft sich im Wesentlichen in übermannsgroßen Grabbauten aus Stein (landläufig auch als Hünengräber bekannt) manifestiert, tatsächlich waren, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt.

Jäger & Sammler

Angenommen wird, neben der einen und/oder anderen Theorie, dass zuvor ständig umherziehende Jäger und Sammler etwa im 6. Jahrtausend v. Chr. zu sesshaften Bauern wurden.

Fusion

Und dann, irgendwann zwischen 3000 bis 1000 v. Chr., aus den Steppen Osteuropas kommend, breitete sich das „geheimnisvolle“ Volk der Indoeuropäer (Indogermanen) sukzessive nach Europa aus. Dort wo sie hinkamen, siedelten sie, erschlossen das Land und vermischten sich mit der bereits dort lebenden Bevölkerung, aus der sich im weiteren Verlauf unter anderen die Kulturen der Kelten, Veneter und Germanen entwickelten.

PS

Der Begriff „Indogermanisch“ ist per heute lediglich als Wortprägung zu sehen, um dem „Kind“ – eben diesem „Volk“ – einen Namen zu geben. Allerdings, und weil bereits der - unter anderem auch mit vergleichender Sprachwissenschaft befasste - Schriftsteller, Philosoph und Literaturhistoriker Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel (*1772/°1829) in diesem Zusammenhang 1819 von einer „indisch-lateinisch-persisch-germanischen Sprachfamilie“ gesprochen hat, hat sich in der Sprachwissenschaft zunehmend und länderübergreifend, statt der Bezeichnung „Indogermanisch“, inzwischen mehr und mehr der Terminus „Indoeuropäisch“ durchgesetzt.

Übrigens

Die früheste Namensgebung „Germanen“ stammt – mutmaßlich – vom griechischen Gelehrten Poseidonios (*135 v. Chr./°51 v. Chr.), fand seine Verbreitung durch Julius Caesars (*100 v. Chr./°44 v. Chr.) Schrift „Commentarii de Bello Gallico“ („über den Gallischen Krieg“, 58-51/50 v. Chr.) und noch später durch das vermutlich um 98. n. Chr. entstandene Werk „Germania“ des römischen Geschichtsschreibers Publius Cornelius Tacitus (*um 55 n. Chr./°etwa 116 n. Chr.).

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Die ersten Deutschen (S. Fischer-Fabian / Droemer Knaur Verlag)

 

 

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