Wer war Krösus?

Etwa zur Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. herrschte in Lydien, einer antiken Landschaft in Kleinasien, ein König namens Krösus (*um 590/°541 v. Chr.). Bezogen auf die wenigen und in letzter Konsequenz nur sehr schwer auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfenden Quellen - zum Beispiel die des Griechen Herodot (*etwa um 485/°424 v. Chr.) oder auch des lydischen Chronisten Xanthos (*/°etwa 5. Jahrhundert v. Chr.) - soll Krösus etwa um 555 v. Chr. die Nachfolge des Vaters auf dem lydischen Thron angetreten haben.

 

Tauschhandel, Münzprägung und Steuern

Als letzter Herrscher der Mermnaden-Dynastie eroberte Krösus Ephesos und andere Städte Kleinasiens, förderte Schiffbau und Seehandel, war Mäzen unzähliger griechischer Heiligtümer, ersetzte, aus Gründen der Vereinfachung des Handels, den bisher üblichen Tauschhandel durch die erste bekannte Münzprägung der Welt und vermehrte den Wohlstand Lydiens zusätzlich durch Steuerzahlungen der von ihm unterworfenen griechischen Städte.
Aber wie das so ist mit dem „Teufel, der immer auf den größten Haufen …….“ - wer hat, der hat!

 

Gold, Gold und nochmal Gold

Und Krösus hatte reichlich!
Basis seines Reichtums und der Pracht seiner (Haupt-)Stadt Sardes, waren nämlich die im Land üppig vorhandenen Gold- und Silberminen sowie das aus dem Fluss Paktolos gewonnene Gold. Alles zusammengenommen, regte der Glamour Lydiens, der Prunk der Stadt Sardes und der Luxus des Königs natürlich die Phantasie der Menschen an.
Legenden wurden gebildet - Mythen und historische Wirklichkeit vermischten sich. 

 

Herodot, Solon und Krösus, der Prahlhans

So berichtet zum Beispiel der griechische Geschichtsschreiber Herodot von einem Besuch des Weisen Solon bei Krösus, der sinngemäß in etwa wie folgt abgelaufen sein soll:
Solon wird von Krösus - so nach dem Motto: „fishing for compliments“ - gefragt, wen er, Solon, für den glücklichsten Menschen auf der Welt halte. Der wiederum, wenig beeindruckt vom Glanz und Gloria des eitlen und prahlerischen Königs, beantwortet die Frage mit dem Hinweis auf ganz einfache Menschen, die ihr Leben einfach, aber redlich und rechtschaffen gestalten.
Er, Krösus, könne erst dann wissen ob sein Leben ein glückliches war, wenn er es denn letztlich auch glücklich und zufrieden abgeschlossen habe.
Und das ging tatsächlich daneben.

 

Irren ist menschlich - manchmal aber mit fatalen Folgen

In der ihm eigenen Selbstüberschätzung legte er sich - nicht ohne zuvor das Orakel von Delphi befragt zu haben - mit den Persern unter Kyros II. (*etwa um 585/°530 v. Chr.) an. Offenbar muss Krösus aber irgendetwas an der Aussage des Orakelspruchs: „… bei Überschreitung eines Flusses würde er ein großes Königreich zerstören …“ verwechselt haben.
Zwar kam er an einen Fluss, überquerte diesen und zerstörte ein Königreich - doch es war nicht das gegnerische, sondern sein eigenes. Dumm gelaufen …

 

Was bleibt?

Nun, geblieben ist die Redensart „… bin ich etwa Krösus?“ oder „Ich bin doch nicht Krösus“.
Was damit ausgedrückt werden soll meint, dass man knapp bei Kasse ist und eben nicht über den unermesslichen Reichtum des lydischen Königs Krösus verfügt.

 

PS

  • Lydien -> antike Landschaft in Kleinasien; Heute: Türkei, vis-á-vis der griechischen Inseln Lesbos, Samos, Chios,
  • Sardes -> Hauptstadt des antiken Königreichs Lydien; Heute: Zu besichtigende Ruinenstadt nahe der Ortschaft Sart, etwa 100 Kilometer von Izmir in Westanatolien/Türkei entfernt,
  • Paktolos -> Fluss in Westanatolien; Heute: Sart Cayi

Autor: Manfred Zorn

 

 

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