Wer waren Oktavian und Kaiser Augustus?

Ein und dieselbe Person!

Gegenseitige Machtansprüche

Octavian (*63 v. Chr./°14 n. Chr.), Großneffe, späterer Adoptivsohn und testamentarisch vorgesehener Haupterbe Julius Caesars (*100 v. Chr./°44 v. Chr.), stammte aus einer begüterten, aber politisch unbedeutenden Familie, war zum Zeitpunkt der Ermordung Caesars erst neunzehn Jahre alt und in weiten Kreisen Roms ein Unbekannter.

Das änderte sich rasch, als er von Caesars Vermächtnis erfuhr, welches ihm, Octavian, den Löwenanteil der Hinterlassenschaft des gemeuchelten Diktators auf Lebenszeit zusprach.

Das konnte und wollte nun wiederum Marcus Antonius (*irgendwann zwischen 86 und 82 v. Chr./°30 v. Chr.), der Caesars Nachfolge für sich in Anspruch nahm, partout nicht zulassen.

Das Zweckbündnis

Was folgte, waren eine Reihe – auch kriegerischer – Auseinandersetzungen beider Kontrahenten um Macht, Geld und Ansehen, die letztlich aber trotz weiterschwelender Spannungen im Zweckbündnis des 43 v. Chr. gegründeten so genannten Zweiten Triumvirats (unter Einbeziehung des vormalig unter Caesar gedienten Ex-Generals namens Marcus Aemilius Lepidus) gipfelten.

Wer zuletzt lacht ...

In den darauf folgenden gut zehn Jahren wurde aus machtpolitischen Gründen geheiratet, intrigiert und immer mal wieder – in wechselnden Konstellationen – mit oder gegeneinander gekämpft, bis, ja bis Marcus Antonius die ägyptische Königin Kleopatra (*69 v. Chr./°30 v. Chr.) ehelichte.

Wogegen im Grunde genommen eigentlich nichts zu sagen gewesen wäre, hätte der in das Topgirl der Antike verknallte Antonius nicht beabsichtigt, ihr und seinen aus dieser Verbindung hervorgegangenen drei Kindern Ländereien aus dem römischen Fundus zu übereignen. Das ging nun gar nicht.

  • Also erklärte Rom Ägypten den Krieg, der 31 v. Chr. in der Seeschlacht bei Actium vor der Westküste Griechenlands gewonnen wurde.
  • Antonius und Kleopatra flohen nach Alexandria, verstarben 30 v. Chr. auf bisher nicht wirklich geklärte Weise (es wird von Selbstmord gesprochen),
  • Ägypten wurde römische Provinz,
  • Octavian wurde – nach der 27 v. Chr. von ihm veranlassten Auflösung des faktisch noch bestehenden Zweiten Triumvirats – vom Senat quasi mit der Alleinherrschaft („Prinzipat“) – „princeps senatus“ (“Erster des Senats“) und/oder „princeps civitatis“ („Erster Bürger“) – des Staates betraut,
  • erhielt den Ehrennamen Augustus („der Erhabene“) und
  • wurde einige Jahre darauf (12 v. Chr.) sogar als oberste Instanz („Pontifex maximus“/“Oberster Priester“) in Religionsfragen berufen.

Mit seiner Herrschaft – dem so genannten „Augusteischen Zeitalter“ – begann nicht nur die römische Kaiserzeit, sondern gleichfalls auch eine etwa zweihundertfünfzig Jahre andauernde Phase („Pax Augusta“ oder auch “Pax Romana“) inneren Friedens sowie eines wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs des „Imperium Romanum“.

Apropos

Die Bezeichnungen „Augustus“ und „Caesar“ wurden im weiteren Verlauf des Römischen Reiches Bestandteil des römischen Kaisertitels.

Als Erster nach Augustus trug dessen Nachfolger – Tiberius Claudius Nero – den Titel „Tiberius Iulius Caesar Augustus“.

Nach Tiberius, etwa siebzehn Jahre und vier/fünf Kaiser später, war es Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus (*37/°68 n. Chr.) – nicht Peter Ustinov („Quo vadis“, Monumentalfilm von 1951), sondern der römische Kaiser, der 64 n. Chr. angeblich Rom angezündet haben soll – der seine Titulatur zusätzlich um den Begriff „Imperator“ ergänzte.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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