Wer war Tiberius?

Tiberius Iulius Ceasar Augustus (*42 v. Chr./°37 n. Chr.) war der Nachfolger Kaiser Augustus’ (*63 v. Chr./°14 n. Chr.).

Letzterer hatte – in Ermangelung festgeschriebener Nachfolgeregelungen – kurzerhand seinen Stiefsohn, nämlich besagten Tiberius, adoptiert und diesen bereits vor seinem Tod zum mit allen Vollmachten ausgestatteten „princeps“ („Erster Bürger“, „Erster unter Gleichen“) erklärt.

Die Verwandlung

Als Militärtribun, Prätor (höchster Beamter nach den Konsuln) und Heerführer – unter anderen gegen König Marbods Markomannen sowie 5/6 n. Chr. gegen die Langobarden – unbestritten längst vor Übernahme des höchsten Staatsamtes sehr erfolgreich, entpuppte sich der allseits als miesepetrig, schlecht gelaunt und übellaunig geschilderte Tiberius schon bald als brutaler Tyrann.

Der Despot

Wie Jahre später der Schriftsteller und Verwaltungsbeamte Gaius Suetonius Tranquillus, kurz: Sueton (*70/°120 n. Chr.), in seinen Kaiserbiographien beschrieben hat, soll Tiberius selbst die kleinsten und harmlosesten Vergehen mit der Todesstrafe geahndet haben. Hinrichtungen wurden (nach Sueton) geradezu täglich durchgeführt.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Obwohl das römische Reich unter seiner Ägide in Verwaltungsfragen durchaus gut aufgestellt gewesen sein soll, schien ihm seine kategorische und beinharte Sparpolitik (z. B. Einschränkung des Bauwesens, Verbot seidener Kleidung und einiger weiterer Luxusgüter) keinesfalls mehr Sympathie, geschweige denn Beliebtheit, eingebracht zu haben. Im Gegenteil!

Der Sexmaniac

Als Tiberius im März 37 n. Chr. in Misenum (heute: Miseno/Golf von Neapel) verstarb, lebte er bereits seit 26 n. Chr. auf Capri, hatte die Regierungsgeschäfte in Rom dem Boss der Prätorianer überlassen und sich die Jahre auf der Insel mit unappetitlichen Sexspielen vertrieben. Kein Wunder also, dass ihn die Bevölkerung liebend gern – und facettenreich in der Durchführung – massakriert hätte. Aber nichts von alldem!

Stattdessen wurde der Leichnam des lasterhaften Lustgreises „Tiberius Caesar Divi Augusti filius Augustus, Pontifex maximus, Tribunicia potestate, Imperator, Consul” in Rom öffentlich verbrannt und im Augustusmausoleum beigesetzt.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: „Römisches Reich“ (rororo – Das farbige Life Bildsachbuch)

 

 

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